Samstag, 24. Dezember 2016

Rezension: Der Schlot von Andreas Winkelmann

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich auch "Der Schlot" von Andreas Winkelmann vorstellen und Euch meine Meinung zu diesem Thriller präsentieren. Protagonistin ist hier Manuela Sperling, die auch schon zuvor in den Romanen des Autors eine Rolle gespielt hat. Die Vorgänger habe ich (noch) nicht gelesen, kam allerdings auch so mit dem neuesten Werk zurecht. Es handelt hauptsächlich von Menschenhandel und Prostitution und zeigt auf schockierende Art und Weise, wie mit jungen Mädchen "in dieser Branche" umgegangen wird. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bei Andreas Winkelmann bedanken, denn er hat mir den Thriller zum Rezensieren zur Verfügung gestellt und sogar noch innen unterschrieben.
Cover: Nina Winkelmann
 
Details:
 
  • Taschenbuch: 434 Seiten
  • Verlag: epubli; Auflage: 3 (31. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3741861472
  • ISBN-13: 978-3741861475
  • Preis: 12,99


  • Inhalt:
     
    „Hilf mir ... der Hinkende“
    Das sind die letzten Worte der jungen Kommissarin Manuela Sperling am Telefon.
    An dem Tag, an dem Henry Conroy aus dem Urlaub zurückkehrt, verschwindet seine neue Partnerin spurlos. Wie es scheint, hat sie in seiner Abwesenheit unerlaubt Ermittlungen im äußerst brutalen, gut organisierten Bereich des Menschenhandels angestellt und dabei ein Phantom aufgeschreckt, das hinter vorgehaltener Hand „Der Hinkende“ genannt wird. Niemand hat ihn je gesehen, alle fürchten sie vor ihm und er scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Henry beginnt einen verzweifelten Wettlauf um das Leben von Manuela Sperling und muss feststellen, dass er seinem Gegner nicht gewachsen ist.
    Zeitgleich gelingt Elizaveta Radu und Nada Despotovich die Flucht vor ihren Peinigern. Die Menschenhändler setzen alles daran, sie mundtot zu machen, denn beide wissen, wozu der Schlot in der alten Ziegelei genutzt wird.
    Copyright Klappentext & Cover: Andreas Winkelmann / Nina Winkelmann
     
     
    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung finde ich insgesamt in Ordnung, denn der schwarze Hintergrund und die züngelnden roten Flammen passen ganz gut zum Inhalt und man kann sich vorstellen, wie es im Inneren des dunklen Schlots womöglich aussieht.

    Die Geschichte ist wirklich gut konstruiert, denn mehrere Handlungsstränge laufen parallel zueinander, werden zum Ende hin dann aber sinnvoll miteinander verwoben. Auf der einen Seite verfolgt der Leser das Schicksal junger Mädchen, die als Prostituierte gearbeitet haben, nun aber vom "Scout" abgeholt und zu einer heruntergekommenen Ziegeleifabrik gefahren werden. Dort erwartet sie etwas Schockierendes: Der Schlot, in dem sie verbrannt werden sollen, da sie für das "Geschäft" nicht mehr rentabel sind. Eine davon ist Elizaveta. Gemeinsam mit Nada, die beim Ziegeleifabrik-Besitzer Mladen Krasic wohnt und vor drei Jahren mit einem ähnlichen Schicksal zu ihm kam, tritt sie die Flucht an, wird aber vom "Scout" verfolgt. Gerade solche Verfolgungsszenen haben es in sich, sind sehr detailreich geschildert, so dass sich der Leser in die beiden Mädchen hineinversetzen und deren Angst spüren kann. Man fiebert sogar zum Teil regelrecht mit, dass sie entkommen können und in Sicherheit gelangen.  
    Gerade Nada ist ein sehr interessanter Charakter: Sie kam vor mehreren Jahren wegen ihres Bruders unfreiwillig in das Gewerbe und wurde auf grausame Weise von jemandem aus der Branche entstellt. Wer ihr Bruder ist (er kommt auch in der Geschichte vor), werde ich hier natürlich jetzt nicht verraten. Mit ihrer Entstellung kam sie schließlich zum Ziegeleibesitzer Mladen Krasic, der sich um die Beseitigung von Prostituierten kümmert. Bei ihm konnte Nada schließlich unterkommen, da er offenbar einen Gefallen an ihr gefunden hat und sie ein paar Dienste für ihn erledigt. Für Eliza ist Nada während der gesamten Flucht eine wichtige Bezugsperson, da sie selbst nur gebrochen Deutsch spricht und gerade einmal 16 Jahre alt ist. Eliza ist außerdem sehr schreckhaft und verunsichert. Eigentlich hatte sie vor Model zu werden, kam dafür nach Deutschland, um zunächst genug Geld zu verdienen (in einem Altersheim), wurde dann aber in das "schmutzige Business" gedrängt.
     
    Der zweite Handlungsstrang erzählt von Ermittlerin  Manuela Sperling, die offenbar an einem heißen Fall dran ist und in einer Mappe ein brisantes Foto über die illegalen Machenschaften des Menschenhändlerrings / der Prostitutionsbranche hat. An einem Morgen wird sie in einem Waldstück von zwei Männern aus ihrem Auto gelockt und überrascht. Sie wollen die Informationen, die sie hat, um jeden Preis. Auch hier gestaltet sich die Flucht Manuelas durch den Wald sehr actionreich. Letztendlich wird sie jedoch gekriegt und hinterlässt nur ihr Handy und Blutspuren in dem Waldstück. Kurz bevor sie gepackt wird, konnte sie noch einen Notruf an ihren Kollegen Henry Conroy absetzen und von einem mysteriösen Hinkenden berichten. Schließlich gerät sie in dessen Fänge und wird auf brutale Weise gefangen gehalten und von ihm geschändet. Hier zeigt sich Manuelas störrischer Charakter, denn sie ist am Anfang ihrer unfreiwilligen Gefangenschaft sehr impulsiv und ist ihrem Peiniger gegenüber sehr vorlaut und provokant, lässt sich von ihm nicht einschüchtern. Wie der Fall ausgeht, ob sie von Henry Conroy gefunden wird, werde ich jetzt nicht verraten.
     
    Der dritte Handlungsstrang erzählt eben von ihrem Kollegen Henry Conroy, der gerade aus dem Urlaub mit seiner Tochter Lea zurückkehrt und sofort in den Fall um Manuelas Verschwinden gezogen wird. Er setzt alle Hebel in Bewegung und setzt auch seinen Vorgesetzten Sackstedt zunehmend unter Druck, so dass es zwischen den beiden immer öfter zu Reibereien kommt. Schließlich wird auch noch Henrys Partner Jens Jogda tot in Manuelas Zimmer, die in einer Pension lebt, gefunden. Henry nimmt nach und nach die Spur auf, gerät aber auch mit den Brüdern von Manuela aneinander, die sich schnellere Antworten zum Verbleib ihrer Schwester erhoffen und schließlich auf eigene Faust losziehen.
     
     
    Wie man oben bereits aus den kurzen geschilderten Auszügen erkennt, ist die Geschichte mit vielen interessanten und unterschiedlichen Charakteren besetzt. Dies gilt nicht nur für die  Seite der Guten, sondern auch auf Seiten der Bösen. Jeder böse Charakter hat so sein gewisses Etwas.
     
    Der detailreiche Schreibstil trägt zur Spannung wirklich sehr gut bei, denn man kann sich in die Lage der Personen, die vorherrschende Stimmung und das Setting hineinversetzen. Allerdings hatte ich am Anfang ein paar Probleme, in die Geschichte einzufinden, da doch alles etwas sehr verworren war. Das hat sich nach und nach dann aber gelegt und ich konnte die Geschichte zum Schluss locker runterlesen. Was mich persönlich ein bisschen gestört hat, waren die gelegentlichen Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler. Diese treten sicherlich auf, wenn man sein Buch selbst über epubli verlegt und womöglich kein professionelles Lektorat hinter sich hat.
     

    Fazit:

    "Der Schlot" ist ein spannender Thriller zum Thema Prostitution und Menschenhandel, der auf schockierende Art und Weise das Schicksal junger Mädchen beleuchtet, die in der Branche ausgedient haben. Der detailreiche und fesselnde Schreibstil von Winkelmann - gerade in diversen Verfolgungsszenen - sorgt für Nervenkitzel beim Leser, da man sich in die handelnden Personen und deren Schicksal dadurch sehr gut hineinversetzen kann. Generell sind Charaktere- ob gut oder böse- sehr gut ausgearbeitet und viele haben das gewisse Etwas. In der ein oder anderen Szene geht es auch sehr brutal zu, weshalb der Thriller nicht unbedingt etwas für Zartbesaitete ist. Störend sind die gelegentlich auftretenden Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler, die eigentlich nicht auftreten sollten.
     
     
    4 / 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank nochmal an Andreas Winkelmann für die Bereitstellung eines kostenfreien Leseexemplars. Ich werde definitiv auch noch die Vorgänger mit Manuela Sperling lesen!
     
    Alle weiteren Infos zum Autor und zu "Der Schlot" findet ihr auf dessen Website: http://andreaswinkelmann.com/

    Sonntag, 11. Dezember 2016

    Rezension: 60 Sekunden von James Hankins

    Hallo ihr Lieben!

    Ich melde mich heute mit einer Rezension zum Thriller "60 Sekunden" von James Hankins bei Euch zurück. Das Buch ist definitiv nichts für Leute mit schwachen Nerven. Wieso, weshalb, warum? Das erfahrt ihr weiter unten.

    Cover: Piper
    Details:

  • Taschenbuch: 464 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (4. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492307876
  • ISBN-13: 978-3492307871
  • Originaltitel: Jack of Spades
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Das Gesicht oder beide Füße verlieren? Alle Zähne oder ein Ohr? Sich selbst umbringen oder zusehen, wie die eigene Frau erschossen wird? Ein perfider Killer treibt in Boston sein Unwesen. Er stellt seine Opfer vor die Wahl. Sechzig Sekunden haben sie Zeit, sich zwischen zwei Optionen zu entscheiden – eine grausamer als die andere. Detective John Spader ermittelt auf Hochtouren. Doch schon bald gerät er selbst ins Visier des Täters – und das Leben seiner Familie steht auf dem Spiel …
    Copyright Klappentext & Cover: Piper

    Meine eigene Meinung:

    Das Cover von "60 Sekunden" gefällt mir sehr gut, denn ich mag die blutrote Schrift und das Messer das von oben hereinragt. Außerdem heben sich das Messer und einige der Blutstropfen etwas ab, wodurch das Cover nochmals etwas interessanter wirkt.

    Die Geschichte  ist sehr gut geschrieben und wird spannend erzählt. Der Leser verfolgt Detective John Spader dabei, wie er den mysteriösen Fall um einen Serienkiller lösen will. Der Killer geht dabei sehr brutal vor: Für jedes seiner Opfer hält er zwei Auswahlmöglichkeiten bereit. Sie müssen sich innerhalb von 60 Sekunden zwischen zwei Körperteilen entscheiden. Das eine dürfen sie behalten - das andere wird ihnen auf qualvolle Weise entfernt. Antworten die Opfer nicht innerhalb von 60 Sekunden, entfernt er ihnen beide Körperteile, die er zur Auswahl gestellt hat. Schreien seine Opfer vorher, wird er sie töten. Das Skurrile an seiner Vorgehensweise: Er trägt eine stimmverzerrende Kindermaske von "Galaxo", einem Alien-Helden aus einer bekannten Kinderserie, und konnte deshalb bisher nicht identifiziert werden und geht in immer kürzeren Abständen auf die Jagd nach neuen, scheinbar wahllosen Opfern. Gerade diese Szenen, in denen "Galaxo" seine Opfer vor die Wahl stellt, sind für den Leser unfassbar spannend und nervenaufreibend, da man sich schließlich auch die Frage stellt, wie man selbst wählen würde, wenn man in der Lage der Opfer wäre. Zumal die Auswahlmöglichkeiten und die Vorgehensweise wirklich krass sind.
     
    Der ganze Galaxo-Fall konnte mich also von Anfang an komplett in seinen Bann ziehen und ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, ob es weitere Opfer gibt. Ich muss aber auch sagen, dass es ab und an ein paar Längen gab und die Ermittlungen am Anfang eher schleppend vorangehen. Sobald aber ein Verdächtiger in Erscheinung tritt und sich John Spader fest vornimmt, diese Spur zu verfolgen, nimmt die Geschichte wieder an Spannung auf. Zumal der Fall immer verzwickter ist und John zunehmend den Druck von seinem Vorgesetzten Struthers zu spüren bekommt.
     
    John Spader habe ich als spannenden Protagonisten wahrgenommen. Die Ehe zu seiner Frau Olivia ist wegen seines Jobs in die Brüche gegangen, aber er liebt sie immer noch. Deshalb beendet er auch die kurze Beziehung, die er mit einer Hannah geführt hat und würde am liebsten wieder zu seiner Ex-Frau zurückkehren, die allerdings einen neuen Freund hat. Die Beziehung zu seinem Sohn David ist sehr schwierig, denn dessen Noten sind dermaßen bergab gegangen, dass Olivia und Spader ihn von der Uni nehmen wollen, was für sehr viel Stress in der Familie sorgt. Beruflich lief es in der Vergangenheit auch nicht rosig für Spader: wegen eines Formfehlers,  an dem er eine Mitschuld trägt, ist sein ehemaliger Freund Oscar Wagner gefeuert worden und der Serienkiller Eddie Rivers kam dadurch wieder frei und tötete kurz darauf zwei weitere Menschen, hält sich seitdem versteckt. Die Öffentlichkeit hat Spader daraufhin verhöhnt und auch einige seiner Kollegen haben sich kurzzeitig von ihm abgewandt. Der Killer, der jetzt am Werk ist, und seine Opfer vor eine grausame Wahl stellt, weist Parallelen zu Rivers auf, doch Spader glaubt nicht daran dass er zurück sein soll und nimmt mit seinem Kollegen Gavin Dunbar und seinem Ermittlerteam stattdessen andere Spuren auf...
     
    Auch wenn die Geschichte bzw. der Fall am Anfang sehr schleppend verläuft und der andere Fall rund um Eddie Rivers immer wieder zum Thema wird, werden die kleinen Spannungslecks mit den Galaxo-Szenen ausgeglichen. Zum Ende hin wird die die Spannung immer größer, denn Spader hat einen wahnsinnigen Verdacht (den ich hier nun aber nicht erläutere, weil es Spannung vorwegnehmen würde) und seine Frau Olivia gerät in die Fänge von Galaxo...
    Besonders gut gefällt mir am Ende, dass alles sehr plausibel erklärt wird und das Motiv von "Galaxo" bzw. dessen Handlungen und die Auswahl seiner Opfer sehr gut nachvollziehbar  gemacht werden.
     
     

    Fazit:

    "60 Sekunden" ist definitiv nichts für schwache Nerven. Der Killer, der hier am Werk ist, stellt seine Opfer vor eine grauenhafte, blutige Wahl, die nichts für Zartbesaitete ist. Gerade die Szenen, in denen der Killer ans Werk geht, gehen unter die Haut und sind sehr nervenaufreibend für den Leser. Existieren am Anfang und zwischenzeitlich kleine Spannungslecks wegen der schleppenden Ermittlungen, fällt das Ende umso spannender aus, denn John Spader muss seine Ex-Frau Olivia aus den Fängen von "Galaxo" befreien, ehe es zu spät. Erscheinen die Opfer am Anfang zunächst willkürlich, kann Spader am Ende eine Verbindung zwischen all den Opfern ausmachen. "Galaxos" Motiv und seine Vorgehensweise erscheinen am Ende plausibel.
     
    4 / 5 Sterne
     
    Vielen Dank an Piper für die Bereitstellung des Leseexemplars.
     

    Dienstag, 22. November 2016

    Rezension: Das Paket von Sebastian Fitzek

    Hallo ihr Lieben!

    Mit der heutigen Rezension zum neuesten Thriller "Das Paket" von Sebastian Fitzek findet mein Fitzek-Marathon endlich seinen Abschluss. Eines kann ich Euch vorab sagen: Fitzek hat endlich zu seinen Wurzeln zurückgefunden, ist allerdings trotzdem nicht ganz so stark wie früher. "Noah", "Die Blutschule" und das "Joshua Profil" konnten mich zuletzt nicht komplett überzeugen, da sie einfach nicht an Werke wie "Die Therapie", "Augensammler" und "Augenjäger" heranreichten. Mit "Das Paket" ist Sebastian nun allerdings wieder auf einem guten (noch nicht optimalen) Weg.

    Cover: Droemer Knaur
    Details:

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Droemer HC (26. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426199203
  • ISBN-13: 978-3426199206
  • Preis: 19,99






  • Inhalt:

    Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet.
    Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen.
    Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt ...
    Copyright Klappentext & Cover: Droemer Knaur


    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung finde ich richtig gelungen,  denn das Paket-Design passt perfekt zum Titel. Die Exemplare, die man im Buchhandel bekommt, sind sogar noch einmal in einem extra Pappkarton eingepackt, wodurch sich das Buch noch einmal komplett von anderen Büchern abhebt und sicherlich für Extra-Spannung beim Auspacken sorgt.
     
    Der Schreibstil ist wieder einmal sehr fesselnd und zieht den Leser direkt in die Geschichte. Der Aufbau der Geschichte  trägt sehr dazu bei, dass die Spannung kontinuierlich ansteigt. Die Handlung springt immer zwischen "Drei Wochen zuvor" und "Drei Wochen später" hin und her. In den "Drei Wochen zuvor"-Kapiteln erfährt der Leser, wie es Psychiaterin Emma Stein nach dem schrecklichen Ereignis mit dem Friseur geht, wie sie das Paket vom unbekannten Nachbarn erhält und was sich danach alles Tragisches ereignet. In den  "Drei Wochen später"-Kapiteln erklärt Emma ihrem Freund und Anwalt Konrad, was sich Tragisches ereignet hat, wie sie involviert ist und was sie Schreckliches getan hat, nachdem sie das Paket angenommen hat. Konrad, der ungefähr im Alter von Emmas Vater und homosexuell ist, ist Emmas einziger Zuhörer (nicht einmal ihre beste Freundin Sylvia glaubt ihr), der sie zu verstehen versucht. Er versucht Emmas Psyche zu ergründen und eine mögliche Verteidigungstaktik für sie auszuarbeiten. Emma ist übrigens psychisch vorbelastet und hat in ihrer Kindheit stetig mit ihrem "Phantasie-Freund" (?) Arthur geredet, der sich in ihrem Kleiderschrank verborgen hat und sich ihr sogar einmal zeigte.
    Ich muss sagen, dass das Buch sehr spannend mit der Friseur-Szene im Hotel beginnt und danach leider zunächst etwas abflaut, was besonders dem Paket für den unbekannten Nachbarn geschuldet ist. Emma ist nach den schrecklichen Ereignissen im Hotel gezeichnet und das Schlimmste daran ist, dass sie für die Vergewaltigung und den Übergriff durch den Friseur nicht einmal einen Beweis hat. Die Nummer zum Zimmer 1904, auf dem sich alles ereignet haben soll, existiert nicht, und auch ein Bild, an das sie sich zu erinnern glaubt, hängt in keinem der Zimmer. Außerdem wurde sie geschoren und verlassen an einer Bushaltestelle aufgefunden, nicht in dem besagten Hotel. Zu der Zielgruppe des Täters, der es auf  Escort-Damen abgesehen hat, passt sie ebenfalls nicht.
    Durch die schreckliche Tat hat sie sogar ihr ungeborenes Kind verloren und die Ehe zu ihrem Mann Philipp kriselt, da er sich nur wenig Zeit für sie nimmt bzw. ihrer Geschichte ebenfalls misstraut. Seitdem sie wieder zu Hause ist, setzt sie keinen Fuß mehr vor die Tür - bestellt sogar Lebensmittel und viele Kleinigkeiten online. Eines Tages bittet der Postbote Salim sie darum, ein Paket für den Nachbarn A. Palandt anzunehmen. Da sie den Nachbarn nicht kennt und auf keinen Fall einen Fuß vor die Tür setzen mag, will sie das Paket eigentlich nicht annehmen. Doch schließlich kann sie Salim diesen Wunsch nicht ausschlagen, denn ehe sie sich versieht, ist er auch schon wieder weg.
    Irgendwann war ich von Emma und ihrer paranoiden Art/ total übertriebenen Reaktion wegen des Pakets etwas genervt - denn es ist lediglich ein Paket für einen Nachbarn, den sie nicht kennt. Warum sollte dieser ausgerechnet der Friseur sein? Das Ganze hat sich für mich zum Teil auch etwas in die Länge gezogen, bis dann endlich wirklich Schwung in die Sache kam und sie sich doch auf den Weg zu A. Palandt macht und herausfinden will, wer er ist. Dieser führt tatsächlich etwas im Schilde und hat ein unfassbares Geheimnis in seinem Schuppen draußen verborgen. Nachdem sich alles rund um das Paket klärt (Der Inhalt ist unspektakulär!) und A. Palandt sein wahres Gesicht zeigt (Er ist mehr als ein schwacher, kranker Mann, aber nicht der Friseur!), steigt die Spannung stetig an, Emma tut etwas Grausames und es kommt zu interessanten Wendungen. Schließlich geraten weitere Personen in den möglichen Kreis der Verdächtigen, die  jeweils auf logische Art und Weise hinter dem Friseur stecken könnten (sehr clever von Fitzek!) - und Emma wird zu einer weiteren grauenvollen Tat verleitet, was für den Leser unfassbar nervenaufreibend ist.
    Irgendwann hatte ich insgeheim den Verdacht, dass Emma womöglich schizophren ist - dies hat sich allerdings nicht bestätigt. Wer hinter dem Friseur steckt, der kein Hirngespinst ist, möchte ich allerdings nicht verraten. Von der Identität und die Überführung (was für ein Twist!) möchte ich ebenfalls keine Details ausplaudern, da das sonst die Spannung nehmen würde. Am Ende wird aber alles sehr stimmig aufgelöst und das Motiv des Friseurs glaubwürdig inszeniert.  Letztlich bin ich froh, dass der etwas zähe Anfang noch ordentlich an Spannung dazugewonnen hat, interessante Wendungen geschehen und Fitzek zunächst mehrere mögliche Täter präsentiert, die auf logische Weise hinter dem Friseur stecken könnten.
     
    Zu den Figuren lässt sich generell noch sagen, dass Emma als psychisch labile Protagonistin sehr gut ausgearbeitet wurde - man ihren Wahn, ihre Zweifel und ihre Angst bis zu einem gewissen Grad auch nachempfinden und Verständnis für ihre Lage aufbringen kann. Die anderen Figuren - bis auf Konrad und A. Palandt -  hingegen bleiben größtenteils eher blass bzw. wenig facettenreich.

    Ein interessantes Extra im Buch sind übrigens ausgewählte Zuschriften von Lesern, die Sebastian wegen seines 10-jährigen Jubiläums ausgewählt hat. Verschiedene Menschen schildern auf humorvolle - aber auch zum Großteil sehr bewegende Weise - in welchen Lebenslagen sie auf Fitzek aufmerksam geworden sind und bei welchen Lebensereignissen sie der Autor begleitet hat.

     

    Fazit:

    Fitzek ist endlich wieder auf dem richtigen Weg. "Das Paket" ist nicht nur gut geschrieben, sondern auch zum Ende hin immer nervenaufreibender. Der Anfang zieht sich leider zunächst etwas und der Leser wird von der absolut übertriebenen Reaktion der Protagonistin wegen eines Pakets für einen unbekannten Nachbarn etwas genervt. Schließlich kommt der Psychothriller aber doch noch ordentlich in Schwung. Fitzek bringt den Leser mehr als einmal auf eine falsche Fährte und schockt mit grausamen Taten der Protagonistin. Die Wendung am Ende und wer sich tatsächlich hinter dem Friseur verbirgt, ist dann sehr überraschend und wird für den Leser logisch erklärt. Der sehr gut konstruierte Plot lässt einen schließlich auch darüber hinwegsehen, dass die meisten Figuren - bis auf Emma, A. Palandt und Konrad - eher blass bleiben.

    4 / 5 Sterne


    Vielen Dank an Droemer Knaur für das Bereitstellen eines Leseexemplars.

    Das Paket bei Droemer Knaur
    Website von Sebastian Fitzek

    ***NEWS*** Wir können uns übrigens auf schnellen Nachschub von Sebastian Fitzek freuen. Am 14.03.2017 erscheint bereits sein neuer Thriller "AchtNacht" als Taschenbuch bei Droemer Knaur. Alle Infos dazu HIER.


    Meine Rezensionen zu den anderen Werken Fitzeks:

    Rezension zu Abgeschnitten
    Rezension zu Die Blutschule
     




     
     

    Samstag, 12. November 2016

    Rezension: Das Joshua Profil von Sebastian Fitzek

    Hallo ihr Lieben!

    Heute bekommt ihr meine Rezension zu "Das Joshua Profil" von Sebastian Fitzek. Dieser Thriller ist wieder ein "eher untypischer Fitzek" und ich bin leider wieder sehr zwiegespalten. Beim nächsten Mal erwartet Euch dann auch endlich meine Rezension zu "Das Paket". Die ersten 150 Seiten habe ich davon bereits verschlungen und bin froh, dass Sebastian wieder zu seinen Wurzeln, nämlich einem guten Psychothriller, zurückgefunden hat.
    Cover: Bastei Lübbe
    Details:

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3404175018
  • ISBN-13: 978-3404175017
  • Preis: 10,90



  • Inhalt:

    Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß ... im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.
    Copyright Klappentext & Cover: Bastei Lübbe


    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung finde ich sehr gut, denn der Kontrast zwischen dem Rot und dem Schwarz sorgt dafür, dass einem das Buch sofort ins Auge fällt. Außerdem ist das Motiv sehr passend zur Handlung, denn scheinbar hat jemand die Fäden für unser Leben oder unser Handeln in der Hand und kann voraussagen, was wir tun werden.
     
    Das Buch ist wieder einmal sehr spannend geschrieben - keine Frage. Besonders die erste Hälfte konnte mich komplett in den Bann ziehen. Die Geschichte beginnt damit, dass der erfolglose Schriftsteller Max Rhode von einem Fremden angerufen wird und sofort zu ihm ins Krankenhaus kommen soll. Die übel zugerichtete Person warnt ihn vor Ort vor "Joshua" und dass Max sich nichts zu Schulden kommen lassen dürfe. Zunächst ist Max verwirrt, da er mit Joshua nichts anfangen kann. Einige Tage später steht plötzlich eine Frau vom Jugendamt vor seiner Tür, die ihm mitteilt, dass seine 10-jährige Pflegetochter Jola, die einst von ihren drogensüchtigen Eltern verkauft werden sollte, wieder zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren soll. Max - in Panik versetzt - flüchtet  aus der Wohnung und holt Jola vom studentischen Nachbarn Dennis ab, zu der er sie kurzzeitig geschickt hat . Die beiden werden jedoch in einen Unfall verwickelt, woraufhin Jola unter mysteriösen Umständen verschwunden ist und Max alleine im Krankenhaus aufwacht. Dort wird ihm die Geschichte mit dem Unfall nicht geglaubt und sein Auto ist ebenfalls verschwunden. Ihn selbst habe man unter Drogen in einem Abrisshaus entdeckt. Im Ohr  hat er einen Knopf, über den er verschiedene Anweisungen bekommt: Jola wurde entführt und er soll den Ermittlern und seiner Frau Kim sagen, dass er selbst für das Verschwinden verantwortlich ist und ihr etwas antun will. Er flüchtet schließlich aus dem Krankenhaus und entführt kurz darauf einen Postzustellwagen mitsamt der Fahrerin Frida. Mit Frida und schließlich auch seinem pädophilen Bruder Cosmo versucht er Jolas Spur aufzunehmen und kommt dem Geheimnis hinter Joshua damit immer näher...
     
    So viel also zur ersten Hälfte, die unglaublich rasant und packend ist. Auch die meisten der Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet: Man kann Max' Angst um Jola sehr gut nachvollziehen, denn sie ist wirklich alles für ihn. In seiner Ehe kriselt es allerdings, da er ein erfolgloser Schriftsteller ist und an seinen ersten Erfolg "Die Blutschule" nicht anknüpfen konnte.
    Seine Frau Kim sieht ihn insgeheim als Loser an, hat eine Affäre (mit wem verrate ich nicht, aber ich war überrascht! Die Affäre führt insgeheim noch etwas Anderes im Schilde!), möchte sich von Max allerdings nicht trennen, da sie ihm sonst womöglich Unterhalt zahlen müsste. 
    Von Jola war ich begeistert: Die Kleine ist richtig pfiffig, (pfiffiger als andere 10-Jährige), impulsiv und mutig. Sie meistert ihre Lage während der Entführung unglaublich gut und ist sehr tough für ihr Alter. Gerade die Schilderungen aus ihrer Sicht (im zweiten Teil des Thrillers) habe ich als sehr spannend empfunden. Allerdings hatte ich ab und an schon das Gefühl, es eher mit einem Teenager zu tun zu haben, als tatsächlich mit einer 10-Jährigen. Die Ausgestaltung kann man also zum Teil schon als unglaubwürdig empfinden.
    Max' Bruder Cosmo ist das komplette Gegenteil von ihm. Er sitzt wegen Pädophilie in einer Psychiatrie ein und sein Sexualtrieb wird mit Medikamenten gedrosselt. Max hat den Kontakt zu ihm abgebrochen, da Cosmo zum Teil perverse Gedanken mit Jola hat und für sie womöglich zu einer Gefahr werden könnte. Cosmo taucht eines Tages während seines Freigangs wieder vor dem Haus von Max auf. Als die kleine Jola schließlich entführt wird, erhofft Max sich von ihm Hilfe. Die beiden verbindet vor allen Dingen eine schwierige Kindheit, die Max in seinem Thriller "Die Blutschule" unterbewusst verarbeitet hat.  Gemeinsam mit der Paketbotin Frida versuchen die beiden, die kleine Jola ausfindig zu machen und bekommen es mit knallharten Bösewichten zu tun. Viele der Nebencharaktere - Max' Freund Toffi, Frida, Kim, die Bösewichte - sind leider eher blass geblieben.
     
    Die zweite Hälfte des Thrillers konnte mich nicht mehr komplett überzeugen, da das Ganze wieder in die Richtung "too-much" und "international" abdriftet. Es werden zwar interessante und brandaktuelle Themen, wie Big Data ( Daten von Menschen werden immer und überall aufgenommen, zusammengesetzt und verarbeitet) oder auch Predictive Policing (Verbrechensvoraussage und -verhinderung, beispielsweise durch Analyse der Google-Suchanfragen) aufgegriffen, aber ich finde einfach, dass   sowas irgendwie nicht zu Fitzek passt bzw. sich nicht mit meinen Erwartungen deckt. Man sollte zwar immer offen für etwas Neues sein, aber ich sehe Fitzek einfach mehr in dem "Psychothriller"-Bereich.
    Wer und was nun genau hinter "Joshua" steckt, möchte ich nicht verraten, da es ansonsten zu viel Spannung vorwegnehmen würde. Auf jeden Fall haben zwei verschiedene Gruppen Interesse an "Joshua", da sehr viel Geld mit im Spiel ist und "Joshua" viele Regierungen bereichern könnte, allerdings auch Unfug betrieben werden könnte. Dadurch wirkt die Handlung leider an vielen Stellen auch wieder unglaubwürdig bzw. zu sehr konstruiert.  
    In der zweiten Hälfte konnten mich vor allen Dingen die "Jola"-Kapitel überzeugen. Darüber hinaus wird ein sinnvoller Bogen zu "Die Blutschule" gespannt und spannende Hintergründe dazu geliefert.  Auch das Ende vom "Joshua Profil" ist nochmal sehr spannend bzw. schockierend in Bezug auf das Thema Pädophilie. Hier erwartet den Leser eine interessante Wendung, die ich persönlich so nicht kommen gesehen habe.
     

    Fazit: 

    "Das Joshua Profil" konnte mich leider nicht komplett überzeugen. War die erste Hälfte noch sehr spannend und fesselnd, driftet der Thriller für mich im zweiten Teil leider zu sehr in die internationale Schiene ab und verliert dadurch auch an Potenzial bzw. wirkt er zu unglaubwürdig konstruiert. Letztlich hat mich nur noch interessiert, ob es für die kleine Jola gut ausgeht.  Fitzek greift mit Big Data und Predictive Policing zwar brandaktuelle Themen auf, diese sind aber definitiv eine Geschmacksfrage.  Gerade die "Psychothriller"-Fans könnten hier enttäuscht werden. Punkten kann der Thriller allerdings durch die gute Ausgestaltung der Hauptcharaktere, einen fesselnden Schreibstil und verblüfft mit einem guten Bogen zu "Die Blutschule". Auch die Themen Pädophilie, Missbrauch, Misshandlung und Pflegefamilie werden auf schockierende Art und Weise beleuchtet und schaffen beim Leser eine Art Sensibilität.


    3 / 5 Sterne
     
     
     
     
     

    Samstag, 29. Oktober 2016

    Rezension: Splitter von Sebastian Fitzek

    Hallo ihr Lieben!

    Leider habe ich mein persönliches Ziel, alle bisherigen Fitzek-Thriller bis zum Release von "Das Paket" zu lesen und für Euch zu rezensieren, zeitlich nicht mehr geschafft. Aber macht ja nichts. Heute habe ich für Euch eine Rezension zu "Splitter" und beim nächsten Mal folgt dann noch meine Kritik zu "Das Joshua Profil", bevor ich mich endlich dem neuesten Werk widmen kann.
     
    Cover: Knaur
    Details:

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Knaur
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426503727
  • ISBN-13: 978-3426503720
  • Preis: 9,99


  • Klappentext:

    was wäre, wenn …
    Was wäre, wenn wir die schlimmsten Ereignisse unseres Lebens für immer aus dem Gedächtnis löschen könnten?
    Und was, wenn etwas dabei schiefginge?
    Copyright Klappentext & Cover: Knaur


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover hatte ich bereits in einem vorherigen Neuzugänge-Post kritisiert. Es ist mir persönlich einfach zu unscheinbar und nichtssagend. Mit dem Splitter-Motiv hätte man gestalterisch einfach mehr machen können, damit es spektakulärer wirkt.
     
    Zur Geschichte: In Splitter geht es um Marc Lucas, einen Streetworker und Juristen, der vor den Scherben seines Lebens steht. Bei einem von ihm verursachten Autounfall sind seine Frau Sandra und sein ungeborener Sohn gestorben. Er selbst hat sich bei dem Unfall einen Splitter im Rücken zugezogen, der möglicherweise zu einer Querschnittslähmung führen konnte und weswegen er auf Anraten seines Schwiegervaters Constantin Medikamente verabreicht bekommt.  Das seelische Leid setzt ihm unerträglich zu und er würde am liebsten alles daran setzen, um das grausame Ereignis für immer zu vergessen.  Durch Zufall entdeckt er in einem Magazin eine Anzeige, die für ein Experiment wirbt, bei dem die Probanden genau solche Erlebnisse durch eine künstliche Amnesie für immer vergessen sollen und ein neues Leben beginnen können. Er entscheidet sich dafür, einige Voruntersuchungen in der besagten Klinik vornehmen zu lassen, möchte allerdings doch nochmal eine Nacht über seine geplante Teilnahme schlafen. Als er nach den Voruntersuchungen nach Hause kommt, wird er mit merkwürdigen Vorkommnissen konfrontiert: Der Schlüssel zu seiner Wohnung passt nicht mehr und als er klingelt, öffnet seine tote Frau Sandra die Tür, erkennt ihn nicht und schickt ihn weg. Auch bei seiner Arbeit  scheint er ein unbeschriebenes Blatt zu sein. Als er die Klinik erneut aufsuchen will, steht er vor einer leeren Baugrube und wird von der mysteriösen Emma, die ebenfalls ein Opfer des Experiments zu sein scheint, gewarnt, sich in Acht zu nehmen. Zunächst ist er unsicher, ob er ihr trauen kann. Später versucht er aber gemeinsam mit ihr und mit seinem Bruder Benny, der zuvor in einer Psychiatrie war und zu dem Marc weniger Kontakt hatte, das Rätsel zu lösen.
     
    Fitzek gelingt es, die Geschichte durchweg spannend zu erzählen und überzeugt mit einem guten Schreibstil und raschen Erzähltempo. Es wird zu keiner Zeit langweilig, denn die merkwürdigen Ereignisse reißen einfach nicht ab und alles wird von Seite zu Seite noch wirrer. Ich habe auch einige Kritiken gelesen, wo Leute meinten, dass es ihnen schon zu wirr ist. Das kann ich persönlich so nicht unterschreiben, denn es war für mich genau richtig so.  Als Leser konnte man sich auch sehr gut in den Protagonisten hineinversetzen, der irgendwann an seiner eigenen Identität zweifelt und nicht mehr zwischen Realität und möglichen Wahnvorstellungen unterscheiden kann. Zuletzt habe ich mich auch immer wieder gefragt, ob Sandra womöglich noch lebt, wer eventuell noch involviert ist, was mit Marc geschehen ist und wie Fitzek das Ganze auflöst. Zum Ende hin wusste ich dann schon, wer wie involviert ist, nur das große "Warum" fehlte. Und hier war ich dann letztendlich auch ein bisschen enttäuscht. Es wird zwar alles stimmig aufgelöst, es ist auch sehr emotional, aber leider wurde die Geschichte durch das Ende auch noch etwas unglaubwürdiger bzw. war es wieder einfach etwas "too-much". An dieser Stelle möchte ich aber natürlich nicht zu viel verraten, denn der ein oder andere möchte sicherlich keine Spoiler haben und sich überraschen lassen. Der Kerngedanke der Geschichte ist ganz schön, aber am Ende habe ich mir nur gedacht: Und deswegen macht man sich so einen riesen Aufwand mit Marc?

    By the way: Was ich noch ganz cool fand, waren die Anspielungen auf seine anderen Werke! So kommt beispielsweise Niclas Haberland ("Casper" aus "Der Seelenbrecher") vor. Außerdem gibt es eine Szene auf dem Polizeirevier, in der alle Polizisten (besonders Kommissar Stoya, den einige Fitzek-Fans sicherlich noch kennen) mit dem "Augensammler"-Fall beschäftigt sind. Besonders bemerkenswert ist, dass Fitzek die Idee zu "Der Augensammler" schon beim Schreiben von "Splitter" im Kopf gehabt haben muss. Clever!
     
     

    Fazit:

    Splitter ist ein unfassbar spannender und nervenaufreibender Thriller, der vor allen Dingen durch einen sympathischen Protagonisten punktet, den man dabei begleitet, die Wahrheit über ein Experiment herauszufinden und zwischen Realität und möglichen Wahnvorstellungen zu unterscheiden. Wegen des guten Schreibstils und dem raschen Erzähltempo verschlingt man förmlich Seite für Seite und kann es kaum erwarten, die Auflösung zu erfahren. Diese kann mich aber leider nicht komplett überzeugen. Auch wenn sie sehr emotional ist und einen schönen Kerngedanken enthält, nimmt sie der Geschichte an Authentizität. Trotzdem ist Splitter ein lesenswerter Thriller, vor allem für Fitzek-Fans.
     
     
    4 / 5 Sterne