Mittwoch, 24. Mai 2017

Rezension: Die Flut von Arno Strobel

Hallo ihr Lieben!

Heute habe ich eine Rezension zu "Die Flut" von Arno Strobel für Euch! Mein erster Strobel also - abgesehen von Anonym und Fremd, die er zusammen mit Ursula Poznanski geschrieben hat. Im Großen und Ganzen konnte er mich mit seinem Psychothriller überzeugen, ich denke aber, dass er bestimmt noch etwas Besseres auf Lager hat.

Cover: S. Fischer Verlag
Details:

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 3 (21. Januar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596198356
  • ISBN-13: 978-3596198351
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Es ist NACHT, sie sind am Strand, HILFLOS, ihm AUSGELIEFERT, sie können sich nicht befreien, und dann kommt die FLUT …
    Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Superintelligenter ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die „perfekte Mordserie“ zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Pfahl in der Nähe fest, so dass er dabei zusehen muss, wenn seine Frau bei Flut langsam ertrinkt.
    Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist. Und es sieht so aus, als hätte er damit Erfolg …
    Copyright Inhalt & Cover: Fischer Taschenbuch


    Meine eigene Meinung:

    Grundsätzlich mag ich bei Psychothrillern schlichte Cover mit wenigen Details - also auch das von "Die Flut". Der Hintergrund ist schwarz und der blau-grüne Titel hebt sich davon ab. Man sieht nur das Gesicht von einer Frau, das von Licht angestrahlt wird und starr nach oben gerichtet ist, was zur Geschichte passt. Frauen werden dort bis zum Kopf im Sand eingegraben, von einem Unbekannten mit Licht angestrahlt und erleben ihre letzten Sekunden, bis die Flut sie verschlingt. Ihre Partner sind währenddessen an Pfählen festgebunden und können nicht zur Hilfe eilen.
     
    Die Geschichte hat mir von Anfang an gefallen und konnte mich sofort in ihren Bann ziehen. Dazu hat auch der simple Schreibstil beigetragen, der das flüssige und schnelle Lesen möglich gemacht hat. Im Prolog bekommt man einen guten Einblick in die Psyche des Killers: Er ist überdurchschnittlich intelligent und spielte in seiner Kindheit grausame Spiele. Beispielsweise ließ er seine Schwester auf einen Stuhl klettern, legte ihr eine Schlinge um den Hals und ließ sie dann auf Zehenspitzen stehen, um ihre Todesangst zu sehen. Einen Psychiater konnte er nach einer kurzen Therapie davon überzeugen, dass er geheilt ist, aber dem scheint nicht so, denn auf Amrum schlägt er mit neuen Taten zu... Mir haben hier besonders die Kapitel aus seiner Sicht, geschrieben aus der Er/Sie-Perspektive, gefallen, denn er fühlt sich die ganze Zeit überlegen und belächelt die Vorgehensweise der Polizisten. Außerdem ist es spannend, wie er seine neuen Opfer auswählt und was er sich generell von dem ganzen Spielchen erhofft.
     
    Hauptsächlich verfolgt der Leser die Geschichte aus Sicht der beiden Pärchen Michael und Julia sowie Andreas und Martina, die gemeinsam auf Amrum Urlaub machen wollen, sich aber erst seit kurzer Zeit kennen. Michael hat Andreas versprochen, ihm beim Ausbau des Dachbodens auf Amrum zu helfen, weswegen es zum Urlaub kommt. Während Julia und Michael ein sehr glückliches Paar sind, ist bei Andreas und Martina eindeutig die Luft raus. Martina ist die ganze Zeit auf Streit aus und provokant (auch den anderen gegenüber), während ihr Mann sie weitgehend ignoriert und offenbar ein Auge auf Julia geworfen hat.  Als ein erster Mord am Strand von Amrum passiert, sind die beiden Paare mehr oder weniger dazu gezwungen auf der Insel zu bleiben, denn die Brieftasche von Michael lag in der Nähe des Tatorts. Diese hatte er aber wahrscheinlich zuvor bei einem Restaurantbesuch verloren. Polizei-Hauptkommissar Harmsen hat sich allerdings von Anfang an auf Michael als Täter eingeschossen und glaubt nicht an Zufälle, während sein Kollege Jochen Diedrichsen sich eher zurückhält.
     
    Wird die Geschichte noch so spannend und interessant erzählt und auch einige falsche Fährten gelegt (Verhält sich der Nachbar nur merkwürdig oder ist er womöglich der Täter?), bleiben die Charaktere jeweils sehr eindimensional und auch deren Dialoge laufen oftmals auf das Gleiche hinaus, was mich irgendwann sehr genervt hat. Julia sorgt sich ständig um Michael, dem die offensichtlichen Anfeindungen und Verdächtigungen durch Harmsen zu schaffen machen, fühlt sich gleichzeitig von Andreas beobachtet und ist von Martinas ständigem Gestreite genervt. Martina kann ihre ständigen provokanten Äußerungen einfach nicht lassen und sucht eigentlich andauernd Streit. Michael hingegen wirkt oftmals noch ziemlich gefasst, fühlt sich von Harmsen aber scheinbar zunehmend eingeschüchtert. Andreas ignoriert währenddessen die bissigen Kommentare von Martina und nimmt seine neuen Freunde in Schutz. Und auch die beiden Polizisten verhalten eigentlich immer gleich: Harmsen ist ein absoluter Choleriker, der sich von niemandem unterbrechen lässt und auf Höflichkeiten und Manieren keinen Wert legt. Er geht mit seinen Verdächtigungen ganz offen um und kam mit seinen bisherigen Kollegen offenbar nie gut aus (er wird unter anderem "Pitbull" genannt). Sein neuer Kollege Jochen Diedrichsen ist von der Art seines Partners genervt, würde ihm am liebsten öfter die Meinung sagen, stößt aber auf taube Ohren bzw. vermeidet oftmals die Konfrontation. Er würde allerdings sehr gerne verstehen, warum Harmsen so ist.
     
    Bis zum Schluss habe ich wirklich gerätselt, wer denn nun tatsächlich hinter dem Mörder steckt. Verschiedene Inselbewohner haben sich bei mir ständig als Hauptverdächtige abgelöst und auch Martina und Andreas hatte ich öfter im Verdacht. Wer allerdings tatsächlich der Killer ist, blieb für mich bis zuletzt undurchsichtig und die Auflösung hat mir gefallen, da sie sehr schlüssig ist.
     

    Fazit:

    "Die Flut" ist ein spannender Psychothriller, der vor allem durch einen flüssigen Schreibstil und eine fesselnde Geschichte punktet. Besonders die Kapitel, in denen der Killer und die Taten beschrieben werden, sind überzeugend. Bis zur Auflösung war für mich unklar, wer tatsächlich hinter den grausamen Taten steckt. Strobel gelingt es allerdings nicht, den Charakteren die nötige Tiefe zu verleihen. Sie wirken oft sehr eindimensional und auch ihre Dialoge drehen sich fast durchweg im Kreis, was für den Leser irgendwann sehr anstrengend ist (gerade in Bezug auf schwierige Charaktere wie Harmsen und Martina). Gerne werde ich noch weitere Psychothriller von Strobel lesen, denn "Die Flut" hat sich insgesamt doch gelohnt.
     
     
    3,5 von 5 Sterne

    Samstag, 20. Mai 2017

    Rezension: Der Circle von Dave Eggers

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Der Circle" von Dave Eggers für Euch, womit ich von meinem Lieblings-Genre "Thriller" etwas abweiche. Den Roman habe ich auch aus einem ganz bestimmten Grund gelesen, denn er wurde mit Emma Watson und Tom Hanks verfilmt und kommt im September in die deutschen Kinos. Außerdem mag ich utopische/dystopische Geschichten und hier dreht sich eben alles um Social Media, die Macht von Medienunternehmen, Transparenz und Anonymität - alles spannende und vor allem aktuelle Themen.
     
    Cover: KiWi Verlag
     
    Details:
     
  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (8. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462048546
  • ISBN-13: 978-3462048544
  • Preis: 10,99


  • Inhalt:

    Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »weisen drei Männer«, die den Konzern leiten – wird die Welt eine bessere. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterne-Köche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles … Copyright Inhaltsangabe & Cover: KiWi Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das schlichte Cover-Design gefällt mir sehr gut, auch wenn das Rot-Orange nicht ganz mein Fall ist. Zu sehen ist das Logo des Circle mit dem unvollendeten Kreis in der Mitte, was zur Geschichte passt, da der Circle eben kurz vor seiner Vollendung steht.

    Die Geschichte hat mich im Großen und Ganzen überzeugt, auch wenn mir teilweise ein roter Faden gefehlt hat. Am Anfang begleitet man Mae Holland an ihrem ersten Arbeitstag beim Circle, wo sie in der Customer Experience anfängt. Dank ihrer Freundin Annie hat sie den Job bekommen. Dort wird sie zunächst mit der Technik vertraut gemacht und bekommt neueste technische Mittel zur Verfügung gestellt. Beim Circle scheint wirklich alles perfekt zu sein: Es gibt ständig irgendwelche Veranstaltungen auf dem Campus, Sänger treten dort regelmäßig auf, es gibt Fitnessstudios und ganz viele Möglichkeiten, um sich selbst einzubringen und zu beteiligen. Außerdem müssen die Circler dort kostenlose Gesundheits-Checks durchführen lassen und ihre Vitalwerte regelmäßig tracken lassen. Zudem können sie neueste Produkte kostenlos testen, eine Krankenversicherung über die Firma beziehen (auch für ihre Familien) und hochmoderne Zimmer im Wohnheim nutzen, wenn sie Lust haben. Allerdings wird auch einiges gefordert: Die Circler müssen partizipieren, also regelmäßig an Veranstaltungen teilnehmen und online über fast alle  Dinge, die sie erleben, schreiben, Kommentare schicken, Smiles versenden. Je stärker die Partizipation, desto höher das Partizipations-Ranking und damit die Beliebtheit bei den anderen Circlern. Wer nicht partizipiert, gilt als asozial und wird angefeindet.
    Natürlich tritt Mae am Anfang in ein paar Fettnäpfchen: Sie verpasst eine Veranstaltung, zu der sie als Neuling eingeladen wurde (woraufhin ein Fall wegen unsozialem Verhalten eröffnet wird!) und sie verlässt den Campus immer pünktlich um 17 Uhr nach Feierabend und nimmt keine der "freiwilligen" Angebote war. Ihren Job erledigt sie allerdings ganz gut, ihr CE-Ranking liegt immer regelmäßig im Bereich zwischen 96 und 100. Als sie von den Chefs darum gebeten wird, nicht nur ihren Job gut zu machen, sondern noch stärker zu partizipieren und sie regelrecht zur Rede gestellt wird, warum sie sich noch nicht großartig beteiligt hat oder online bestimmte Dinge von sich preisgegeben hat, ändert sie schlagartig ihr Verhalten und passt sich immer weiter an. Im Laufe der Geschichte bekommt sie immer mehr Bildschirme auf den Tisch gestellt und muss nicht nur ihren Job erledigen, sondern auch darüber ihren "sozialen Verpflichtungen" beim Circle nachkommen.
    Mit Francis, der ebenfalls einen Job beim Circle hat, und einem mysteriösen Kalden, bandelt sie immer öfter an. Bis Kalden sie schließlich darum bittet, die Vollendung des Circle (die völlige Transparenz) aufzuhalten. Was wird Mae tun? Ist Kalden womöglich ein Spion? 
     
    Am Anfang war mir Mae mit ihrer teils naiven und aufgeregten Art sympathisch, was sich im Laufe der Geschichte allerdings geändert hat (was vom Autor aber sicherlich auch bewusst so gewollt ist, um die negativen Auswirkungen des Circle aufzuzeigen). Sie passt sich immer weiter an, ohne die Auswirkungen der technischen Errungenschaften, die für immer mehr Transparenz und fehlende Anonymität (Ziele des Circle) sorgen, zu hinterfragen.
    Zu ihren Eltern, die ärmliches bis gewöhnliches Leben führen, hat Mae eigentlich ein gutes Verhältnis. Sie sind stolz, dass sie den neuen Job ergattern und sich hocharbeiten konnte und außerdem noch eine kostenlose Krankenversicherung für ihre Mutter und ihren kranken Vater (er hat MS) beziehen konnte. Allerdings sollen ihre Eltern durch SeeChange-Kameras nun auch fortwährend beobachtet werden, alles soll transparent werden. Je stärker der Einfluss des Circle, desto schlechter scheint das Verhältnis zwischen ihren Eltern und ihr zu werden. Auch zu ihrer Freundin Annie, die ebenfalls beim Circle arbeitet, scheint sich das Verhältnis zu verändern. Als ihr Ex-Freund Mercer, der lieber anonym bleibt und online eigentlich gar nichts macht, sie zur Rede stellt und ihr erklärt, dass sie immer weiter den Bezug zur Realität verliert, wird sie wütend und ist uneinsichtig. Die Figuren bleiben im Großen und Ganzen aber relativ blass und bekommen nicht die nötige Tiefe verliehen. Ihre Beweggründe, Gedanken und Motive hätten noch stärker hervorgehoben werden können (gerade bei den Circler-Gegnern).
     
    Spannungstechnisch muss ich sagen, dass die Geschichte erst sehr spät an Fahrt aufnimmt (ungefähr ab den letzten 200 Seiten), da Eggers zunächst die ganze Welt, die er kreiert, erklärt und die Besonderheiten aufzeigt. Aber besonders die Welt hat mich fasziniert. Es gibt eben diesen Circle mit all seinen Parolen ("Teilen ist Heilen", "Geheimnisse sind Lügen",  "Anonymität ist Diebstahl"), der mit all seinen Erfindungen (TruYou: ein einziger Online-Account, der alle Online-Konten miteinander verknüpft und damit Anonymität im Netz unmöglich macht, SeeChange: Kameras überall auf der Welt, die Kriminalität verhindern, etc.) für beinahe absolute Transparenz sorgt (auch immer mehr Politiker werden im Buch gläsern) und alles Wissen kollektiv zur Verfügung stellt. Mit der krassen Partizipation stellt er natürlich unsere heutige Generation an den Pranger und will uns davor warnen, wohin wir uns entwickeln könnten. Allerdings müssten auch hier die perönlichen Konsequenzen noch drastischer aufgezeigt werden, um wirklich zu schockieren.
     
     

    Fazit:

    "Der Circle" ist eine moderne Variante von "Brave New World" und "1984". Eggers entwickelt eine Welt, in der Anonymität und Nicht-Partizipieren im Netz absolute Tabus sind ("Teilen ist Heilen", "Geheimnisse sind Lügen", "Anonymität ist Diebstahl"). Stattdessen muss alles Wissen und  jede Aktivität im Netz festgehalten werden, Partizipation wird ganz groß geschrieben. Diese Welt ist für den Leser faszinierend, erschreckend und sehr detailreich beschrieben, wobei oftmals eine richtige Entwicklung in der Handlung fehlt und auch erst zum Ende hin wirklich Spannung aufkommt. Die Themen, die dort behandelt werden, sind dabei aber hochaktuell und gar nicht so aus der Luft gegriffen. Die Charaktere, deren Gedanken und Motive werden oftmals nur oberflächlich dargestellt und auch die Konsequenzen der nahezu absoluten Transparenz werden nur grob gestriffen, aber nicht drastisch genug dargestellt, um wirklich zu schockieren. Für Fans von modernen utopischen/dystopischen  Geschichten rund um die Macht von Medienunternehmen ist "Der Circle" aber durchaus lesenswert.
     
    3 / 5 Sterne
     


    Hier der Trailer zum Film mit Emma Watson und Tom Hanks:

    Dienstag, 25. April 2017

    Rezension: Promise Falls 3 - Lügenfalle von Linwood Barclay

    Hallo ihr Lieben!

    Heute melde ich mich mit einer Rezension zu "Lügenfalle" von Linwood Barclay bei Euch zurück. Der dritte und letzte Teil der "Promise Falls"-Trilogie konnte mich ebenfalls überzeugen und führt die Geschichte und ungelösten Geheimnisse zu einem würdevollen Ende.
     
     
    Cover: Droemer Knaur
    Details:
     
  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426518708
  • ISBN-13: 978-3426518700
  • Preis: 12,99


  • Inhalt:

    Am Memorial-Day-Wochenende kommt es in der Kleinstadt Promise Falls (New York) zur Katastrophe. Hunderte Menschen müssen mit grippeähnlichen Symptomen ins Krankenhaus - Dutzende sind bereits gestorben. Schnell machen die Ermittler das Trinkwasser als Ursache aus. Aber natürlich stellt sich für viele, nicht zuletzt für Privatdetektiv Cal Weaver, die Frage: Wer hat eigentlich etwas davon, das Trinkwasser zu vergiften?
    Detective Barry Duckworth hat unterdessen noch ein ganz anderes Problem: Eine College-Studentin ist ermordet worden, und die Handschrift des Killers war zuvor bereits bei zwei weiteren rätselhaften Fällen zu erkennen. Die Morde an den beiden Frauen konnten nicht aufgeklärt, der Täter nicht gefasst werden. Dennoch ergeben die ganzen seltsamen Vorkommnisse während der letzten Wochen plötzlich einen Sinn.
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Droemer Knaur
     
     
    Meine eigene Meinung:

    Auch wenn das Cover an sich nichts mit der Geschichte zu tun hat, gefällt es mir. Es ist einerseits sehr schlicht gehalten mit dem roten Hintergrund, wirkt mit der Ratte, die sich quasi durch die Buchstaben des Titels zwängt, trotzdem interessant.

    Der Schreibstil von Linwood Barlcay konnte mich auch dieses Mal wieder überzeugen. Er ist nicht sonderlich verschnörkelt und trotzdem fesselnd, was allerdings auch mit der Konzeption der Geschichte und den parallel verlaufenden Handlungssträngen zusammenhängt. Beim zweiten Teil hatte ich besonders kritisiert, dass durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge und Figuren ein bisschen die Spannung abhandenkommt und ich mich ein wenig erschlagen fühle. Das war dieses Mal zum Glück nicht der Fall, denn es wurde in kurzen Passagen oftmals erläutert, inwiefern die handelnden Personen in den Vorgänger-Teilen eine Rolle gespielt haben und in die Fälle verwickelt sind. Außerdem hat mich die Vergiftungswelle am Anfang, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschildert wurde, total gefesselt und man konnte das aufkommende Chaos sehr gut nachempfinden. Auch im weiteren Verlauf war die Geschichte durchweg spannend.
     
    Die Geschichte konnte mich dieses Mal auch wieder überzeugen. Sie wurde zum Teil aus der Ich-Perspektive von Ermittler Barry Duckworth geschildert, der einerseits damit beschäftigt ist, herauszufinden, wie das Wasser verunreinigt wurde, andererseits aber auch noch mit den ungelösten Morden (Olivia Fisher, Rosemary Gaynor) und den "23-Vorkommnissen" zu tun hat. Schließlich kommt mit der Studentin Lorraine Plummer ein drittes Opfer hinzu.  Sein Kollege Angus Carlson ist zur selben Zeit im Krankenhaus und versucht dort, den Schwestern und Ärzten zu helfen.
    Parallel dazu möchte Randall Finley, der arrogante und eigennützige Ex-Bürgermeister von Promise Falls, weiter an seinem Image arbeiten, um sich wieder zur Wahl aufstellen lassen zu können. Die Notsituation nutzt er wieder einmal für seine eigenen Zwecke und spendet sauberes Wasser aus seiner eigenen Wasserabfüllanlage. Dabei beteuert er stets uneigennützig zu handeln, was allerdings zum Teil unglaubwürdig erscheint. Ein Schicksalsschlag zeigt aber auch seine weichere Seite.
    Sein Wahlkampfhelfer / PR-Mann David Harwood ist derweil mit anderen Dingen beschäftigt, denn seine Gedanken kreisen ständig um seine neue Freundin Samantha Worthington und ihren Sohn Carl. Er kann sie nicht erreichen und glaubt nun, dass sie vor ihrem Ex-Mann geflüchtet sein könnte, der offenbar aus dem Gefängnis entkommen konnte und sich den Sohn holen möchte.
    Die anderen Charaktere, beispielsweise Walden Fisher (Olivias Vater), Victor Rooney (Olivias Verlobter) und Don Harwood (Davids Vater), sind weiterhin mit Gedanken beim ersten Opfer, während Joyce Pilgrim, die neue Sicherheitschefin am Thackery College, das dritte Opfer entdeckte und einige Nachforschungen anstellt.
    Privatdetektiv Cal Weaver steht währenddessen vor einer ungewohnten Situation: Er muss sich um Crystal, die Tochter von Lucy Brighton kümmern, als diese ihn panisch anruft, weil sich ihre Mutter nicht mehr bewegt und zuvor übergeben hat....
     
    Gerade was die drei Mordfälle und die "23-Vorkommnisse" angeht, war ich am Ende sehr überrascht, wer hinter den Taten steckt. Zwischendurch gelingt es Barclay, den Leser auf ein oder zwei falsche Fährten zu führen. Außerdem baut er am Ende noch einmal eine Wendung ein, mit der der Leser so ebenfalls nicht gerechnet hat. Die Geschichte ist am Ende in sich logisch abgeschlossen (Motive der Täter werden erläutert), allerdings hätte man den Nebenstrang mit David Harwood (Was ist am Ende passiert? Wie wird sich das auf die Beziehung zwischen ihm und Samantha auswirken?) und auch den Hauptstrang (Kommt Duckworth aus dem Badezimmer noch raus? Was ist mit seiner Gesundheit?) auserzählen können. Zudem hatte ich das Gefühl, dass der Autor das Ende etwas schnell erzählt hat - insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Ereignisse Teil der gesamten Trilogie sind und dementsprechend "aufgebauscht" wurden.
     
    Zu den Charakteren lässt sich weiterhin sagen, dass sie sehr gut ausgearbeitet sind und ihre Charaktereigenschaften aus dem Vorgängerteilen (Finlay: immer auf den eigenen Vorteil aus, Harwood: Beschützer, mutig, risikobereit; Duckworth: undiszipliniert, was seine Diät betrifft, umso disziplinierter im Job; Weaver: fürsorglich, risikobereit, mit Spürsinn dabei) wieder glaubwürdig vermittelt wurden und zum Ausdruck kamen.
     

    Fazit:

    Mit "Lügenfalle" findet die Promise Falls-Trilogie ihren würdigen Abschluss. Barclay gelingt es wieder einmal, eine spannende Geschichte zu erzählen und löst mit der Wasservergiftung ein richtiges Chaos aus, das den Leser sofort in den Bann ziehen kann. Fans der ersten beiden Teile sind natürlich daran interessiert, wer hinter den ungelösten Mordfällen und den "23-Vorkommnissen" steckt. Die Auflösung ist überraschend, wird letztlich aber sehr schnell runtererzählt. Mit einer Wendung zum Ende hin und kleinen falschen Fährten kann der Autor den Leser allerdings noch einmal überraschen. Lediglich einige der Nebenhandlungen hätten noch auserzählt oder die Schicksale der Figuren in einem Epilog erklärt werden können. Prinzipiell waren die Figuren wieder sehr gut ausgearbeitet und deren Charakterzüge (zu den Vorgängerteilen) glaubwürdig dargestellt.  
     
    4 / 5 Sterne
     
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Leseexemplars!
     

    Donnerstag, 23. März 2017

    Rezension: AchtNacht von Sebastian Fitzek

    Hallo ihr Lieben!

    Nun habe auch ich endlich das neueste Werk von Sebastian Fitzek gelesen und finde "AchtNacht" (bis auf ein paar kleine Logiklöcher) wirklich gut. Vor  allen Dingen ist es toll, dass der Autor kein großes Geheimnis daraus macht, dass er von "The Purge" inspiriert wurde - und trotzdem eine weitgehend eigene Geschichte entwickelt hat, die noch sehr viel mehr an Tiefe hat als der  "inspirierende" Horror-Action-Film.
     
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur / Knaur TB
     
  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (14. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426521083
  • ISBN-13: 978-3426521083
  • Preis: 12,99


  • Klappentext/Inhalt:

    Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.
    Sie haben 80 Millionen Feinde.
    Werden Sie die AchtNacht überleben?

    Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
    Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
    In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
    Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
    Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

    Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
    Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
    Und Ihr Name wurde gezogen!
    Klappentext/Inhalt: Droemer Knaur / Knaur TB


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover mit der blutroten Acht gefällt mir persönlich sehr gut, da es zum Titel und auch zur Geschichte passt. Denn in der Acht selber sieht man noch die Umrisse einer kleinen Person, die von einer Meute vieler anderer verfolgt wird - worum es letztlich nun mal auch geht.
     
    Zur Geschichte:  Ein Spiel mit einer Todeslotterie zu entwerfen, ist nicht gänzlich neu. So in der Art kennt man es beispielsweise aus Stephen Kings "Menschenjagd", "The Purge" oder eben zuletzt aus "Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel. Und trotzdem gelingt es Fitzek wieder einmal, den Leser in seinen Bann zu ziehen und eine ganz eigene Geschichte zu kreieren. Der Leser stellt sich schon von Anfang an folgende Fragen: Wen würde ich nominieren, wenn ich könnte? Wie würde ich reagieren, wenn meine Name gezogen werden würde? Wie würde ich als Gejagter oder gar als Jäger vorgehen? Das Vorstellungsvermögen bzw. die eigene Fantasie des Lesers wird somit unmittelbar angeregt und er versucht, sich in die handelnden Figuren hineinzuversetzen.
     
    Der Leser verfolgt die Geschichte rund um Benjamin Rühmann, den man als eine gescheiterte Persönlichkeit bezeichnen könnte, denn sein Leben liegt in Scherben. Vor fünf Jahren hat er einen Unfall verursacht, bei dem seine Tochter Jule schwer verletzt wurde und ihre beiden Beine amputiert werden mussten. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl und meistert ihr Leben trotz der Umstände eigentlich ganz gut. Die Ehe zu seiner Frau Jennifer hat das Schicksal allerdings nicht überlebt, die beiden führen aber trotzdem eine freundschaftliche Beziehung zu einander und es scheint so, als würde Ben seine Frau immer noch lieben. Aus seiner Band Fast Forward wurde er nach dem Unfall rausgeschmissen (sein Manager begrabschte Jule während der Autofahrt, weswegen es schließlich zum Unglück kam).
    Während Jule sich mit ihrem Schicksal anfreunden konnte und in einer behindertengerechten Wohnung lebt, läuft es bei Ben schlecht. Als Musiker hat er keinen Erfolg und seine Schuld versucht er in Alkohol zu ertränken. Als Jule sich scheinbar mit Absicht vom Dach ihres Studentenheims gestürzt hat, kommen Ben Zweifel, dass es sich dabei tatsächlich um einen Selbstmordversuch gehandelt haben könnte und er stellt Nachforschungen an. Am Tag des "Selbstmordversuchs" hatte Jule ihm zudem eine Nachricht hinterlassen, dass sie dringend reden müssten und ihr Vater vermutlich in Gefahr schwebe. Als Ben schließlich erfährt, dass er bei der AchtNacht, von der er zuvor noch nie etwas gehört hat, auserwählt wurde und nun als AchtNächter von anderen straffrei (und gegen eine Belohnung von 10 Millionen) gekillt werden kann, muss er um sein Leben laufen...
     
    Mir gefällt es, dass Sebastian Fitzek immer wieder Charaktere mit Ecken und Kanten entwickelt, mit denen der Leser mitfiebern kann und die trotz ihrer Macken und Fehler immer noch sympathisch sind. So erging es mir zumindest mit Benjamin Rühmann. Und auch die zweite Auserwählte der AchtNacht, Arezu Herzsprung, die  in dem Ganzen eine besondere Rolle spielt (welche wird hier natürlich nicht verraten...), ist nicht aalglatt: Die Psychologie-Studentin ritzt sich, ist total abgemagert und hat mit ihrer eigenen Vergangenheit, in der sie von Mitschülern gemobbt und geschlagen wurde, zu kämpfen. Gemeinsam versuchen die beiden dann hinter das Geheimnis von AchtNacht und dem Erschaffer "Oz" zu kommen.
    Währenddessen werden sie von sensationsgeilen Menschen verfolgt, die für Social-Media und perverse Plattformen Videos produzieren und versuchen, diese gewinnbringend an den Mann zu bringen. Um möglichst gute Aufnahmen zu bekommen, spielen sie mit Ben und Arezu ihr ganz eigenes Spiel... Zudem werden in den sozialen Netzwerken Aufenthaltsorte, Gerüchte und verschiedene Geschichten über die beiden Gejagten verbreitet, weshalb es für sie immer enger wird...
    Besonders gut finde ich es, dass man immer wieder Perspektivwechsel hat und die Geschichte nicht nur aus Sicht von Ben und Arezu geschildert bekommt, sondern auch aus Sicht der Verfolger, die zum Teil durchschauen, dass es sich bei AchtNacht um nichts Legales handeln kann und trotzdem ihren Profit mit Videos daraus schlagen wollen. Dadurch wird das Spannungslevel immer wieder angezogen und die Geschichte wird zu keiner Zeit langweilig oder gerät ins Stocken. Dies wird durch den abwechslungsreichen Schreibstil noch einmal unterstützt. Das Ende fand ich persönlich auch wieder sehr überraschend und ich hatte so den typischen "Fitzek-WTF-Moment", der mir in manchen Vorgängern (Passagier 23, Joshua Profil, Noah) teilweise gefehlt hat. Auch die Lösung auf die Frage, wer Ben nominiert haben könnte, hat mich echt überrascht.
     
    Die Thematik "FAKE NEWS" mit einem aus dem Ruder gelaufenen massenpsychologischen Experiment in einem fiktionalen Thriller aufzugreifen, finde ich clever und einzigartig - denn die Gedanken sind nicht so fernab der Realität. Die AchtNacht zeigt im Roman, dass Menschen eben nicht immer in der Lage sind, von echten und unechten Nachrichten zu unterscheiden (was gar nicht mal so unrealistisch ist!), dass seriöse Medien gerne auf solche "Fake"-News reinfallen und damit die Glaubwürdigkeit erhöhen und zu welchen (zwar hier überspitzt dargestellten) Konsequenzen es dadurch kommen kann. Allerdings hat das Szenario im Roman auch irgendwie ein Logikloch. Würde eine AchtNacht, die von "Unbekannten" ins Leben gerufen und online propagiert wird, nicht normalerweise von der Bundesregierung sofort boykottiert werden? Gerade wenn es heißt, der Bundespräsident würde die Aktion unterstützen und begrüßen, würde nicht dann sofort ein Dementi folgen? Davon liest man in "AchtNacht" allerdings nichts, auch die Polizei scheint gegen die Jäger nicht wirklich etwas zu unternehmen. Trotz dieses Logiklochs habe ich mich aber vom Thriller unterhalten gefühlt, der letztlich ja auch der Unterhaltung dienen soll und nicht immer alles zu hundert Prozent logisch erklären muss. Auch einige andere Dinge waren etwas übertrieben: Wenn ein schwer verletzter Mensch plötzlich aus dem Krankenhaus aufbricht, muss man schon ein bisschen mit dem Kopf schütteln...
     
    Nichtsdestotrotz gefällt  es mir, dass neben der "Fake"-News-Thematik auch weitere ernstzunehmende Themen wie Cyberbullying, Mobbing im Alltag, Hetze im Internet (die heutzutage ja leider keine Seltenheit mehr ist), usw. aufgegriffen werden und damit auch die Social-Media-Generation, der ich selbst ja nun auch angehöre, ein Spiegel vorgehalten wird und es bei Lesern eventuell auch zu einem Umdenken/ bewussteren Umgang mit den Medien kommt.
     
     

    Fazit:

    "AchtNacht" ist brandaktuell und zeigt gerade der jungen Social-Media-Generation, wohin bewusste Fake-News in der heutigen Zeit führen können. Auch wenn die AchtNacht nicht in voller Gänze logisch erscheint (Wo ist ein Dementi der Bundesregierung oder Polizei, die gegen die Jäger vorgeht und dem Quatsch ein Ende bereitet?), regt der Roman den Leser an, über seinen eigenen Medienkonsum nachzudenken und den Einfluss sozialer Netzwerke, in denen Hetze und Cyberbullying an der Tagesordnung stehen, zu hinterfragen bzw. sich dessen bewusst zu werden. Mit Benjamin Rühmann und Arezu Herzsprung - zwei Charakteren mit Ecken und Kanten - gelingt es Fitzek, wieder einmal eine spannende Geschichte - insbesondere eine spannende Jagd - zu erzählen, die vor allen Dingen durch Perspektivwechsel (auch aus Sicht der Jäger!)  und einen abwechslungsreichen Schreibstil punktet. Auch das Ende ist überraschend und konnte mich überzeugen. Wer hinter "AchtNacht" bloß eine billige Kopie von "The Purge" erwartet, der liegt falsch.
     
    4 / 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur / Knaur TB für das Leseexemplar!
     
     
     

    Samstag, 11. März 2017

    Rezension: Schatten von Ursula Poznanski

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zum vierten Teil der "Beatrice Kaspary und Florin Wenninger"-Reihe von Ursula Poznanski für Euch. "Schatten" ist erst gestern erschienen und ich hatte schon vorab die Möglichkeit, das Buch zu lesen. Vielen Dank an den Verlag für diese tolle Gelegenheit.
    Noch eine kurze Info: Ich habe die anderen Teile der Reihe nicht gelesen (außer "Fünf", was aber schon mehrere Jahre zurückliegt), kam mit der Handlung und den Charakteren nichtsdestotrotz aber super zurecht. Der Teil könnte somit ohne Vorkenntnisse gelesen werden, auch wenn der Psychiater Vasinski, der offenbar in einem früheren Fall eine Rolle gespielt hat, hier auch auftaucht.
     
     
    Details:
    Cover: Wunderlich/Rowohlt
     
  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (10. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3805250630
  • ISBN-13: 978-3805250634
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    Eine Entführung. Drei Morde. Und ein Täter aus der Vergangenheit...

    Ein Mann, grausam zugerichtet in seiner Wohnung. Eine Hebamme, ertränkt in einem Bach - zwei Fälle, die Beatrice Kaspary als Ermittlerin im Dezernat Leib und Leben der Polizei Salzburg lösen muss. Schnell erkennt Beatrice, dass die beiden Morde zusammenhängen - und dass sie etwas mit ihr zu tun haben müssen. Denn sie kannte beide Toten. Sie konnte sie nicht leiden. Und sie weiß: Wenn sie nicht handelt, wird es weitere Opfer geben...
    Copyright Klappentext & Cover: Wunderlich / Rowohlt


    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung mit den Holzbalken und dem Himmel hat mir zunächst nicht so wirklich zugesagt, da ich sie relativ belanglos fand. Wenn man das Buch aber gelesen hat, dann macht das Ganze schon Sinn, denn das Wort "Holz" spielt zum Ende hin eine wichtige Rolle.
     
    Den Schreibstil von Poznanski fand ich alles in allem wirklich überzeugend, denn sie weiß genau, wie man den Leser fesselt. Am Anfang und zwischendurch waren es vor allen Dingen kurze Passagen aus Sicht des Killers, der überlegt, wer sein nächstes Opfer werden soll, die mich neugierig gemacht haben. Außerdem wollte ich natürlich wissen, was es nun mit den mysteriösen Fällen auf sich und ob und wie sie miteinander in Verbindung stehen. Es gelingt der Autorin somit von Anfang an, den Leser in den Bann des Buches zu ziehen und Spannung zu erzeugen. Die Spannung wird zudem die ganze Zeit über gehalten, da man immer wissen will, wer womöglich das nächste Opfer ist oder wie die Geschichte für Beatrice ausgeht.
     
    Dass die Mordopfer nicht wahllos ausgewählt werden, wird Beatrice Kaspary relativ schnell klar: Markus Wallner, das erste Opfer, hat sie flüchtig gekannt - und nicht gemocht. Am Tatort, in seiner Wohnung, fallen ihr dann Details auf, die mit ihrer eigenen Vergangenheit zusammenhängen: Ein Zeitungsartikel im Schlafzimmer des Opfers erinnert zum Beispiel an den Mord von Kasparys Freundin Evelyn im Jahr 2001. Hat Markus Wallner Evelyn gekannt und womöglich ermordet? Beatrice lässt dieser Verdacht nicht mehr los, schließlich geriet Wallner gerne mit anderen aneinander und war bereits im Gefängnis.  Außerdem fällt ihr auf, dass der Täter offenbar ein Foto aus der Wohnung von Wallner entwendet hat - dieses wird später beim zweiten Opfer gefunden, das Beatrice ebenfalls kannte: Andrea Martinek, eine Hebamme, hatte sie ebenfalls getroffen - und nicht gemocht. Der Killer scheint somit ein Muster zu haben und alle Menschen um Beatrice auszulöschen, die sie nicht besonders mochte. Beim dritten Opfer (wer es ist, erwähne ich hier bewusst nicht...) wird in der Manteltasche der Ausweis des zweiten Opfers gefunden.
    Beatrice gerät schließlich selbst in den Fokus des Killers - stöbert im Tagebuch ihrer toten Freundin, um Antworten zu finden - und wird entführt... Ihr Kollege und Freund Florin Wenninger, ihre anderen Kollegen und Psychiater Christian Vasinski versuchen mit allen Mitteln, sie rechtzeitig wiederzufinden...
     
    Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, da sie sehr viele spannende Momente beinhaltet und auch nicht immer vorhersehbar ist. Auch die Auflösung, wer hinter der perfiden Mordserie steckt, war für mich sehr überraschend, da ich damit nicht gerechnet und eher eine andere Figur verdächtigt hatte.
     
    Auch die Charaktere sind alle sehr gut ausgearbeitet - gerade das Ermittler-Duo Wenninger und Kaspary war mir sehr sympathisch. Sie sind einerseits Kollegen, die sehr professionell miteinander umgehen, aber auch privat ein Paar, das noch am Anfang steht (ihre Beziehung halten sie vor Beas Kindern und ihren Kollegen geheim). Beatrice hat mich vor allen Dingen mit ihrer Cleverness und ihrem Spürsinn, besonders aber ihrer Hartnäckigkeit, in ihrer eigenen, schmerzhaften Vergangenheit zu wühlen, überzeugt. Insgesamt ist sie ein sehr tougher Mensch, den nichts so schnell aus der Bahn wirft. Florin hat großes Interesse daran, die Beziehung mit Beatrice offiziell zu machen und besonders ihre Kinder Jakob und Mina und ihren Ex-Mann Achim einzuweihen, gibt seiner Freundin aber weitere Zeit, da sie sich unsicher ist. Er ist somit eine sehr verständnisvolle Figur und seine Beziehung/ Liebe zu seiner Partnerin scheint echt, was sich auch in seiner ständigen Sorge im zweiten Teil des Buches und seiner Angst, zu versagen, widerspiegelt.
     
     

    Fazit:

    "Schatten" ist ein sehr gelungener Thriller, der von Anfang an Spannung erzeugt und konsequent bis zum Ende halten kann. Dies liegt sowohl am guten Schreibstil der Autorin als auch an der geschickt konzipierten Geschichte.  Die Mordserie, die sich hier ereignet, fesselt den Leser, denn er ist - ebenso wie die Protagonistin - daran interessiert, wer der Killer ist und was es mit ihm - und den Ereignissen in der Vergangenheit -  auf sich hat. Die beiden Hauptpersonen, deren Beziehung zueinander und ihre Charakterzüge sind sehr gut ausgearbeitet, so dass der Leser nicht nur am Fall, sondern auch tatsächlich am Privatleben der beiden interessiert ist. Auf weitere Fälle mit Kaspary und Wenninger freue ich mich.
     
    Sterne: 4,5 von 5
     
    Was meint ihr? Wie findet ihr die Reihe rund um Beatrice Kaspary und Florin Wenninger?
     
    Vielen Dank an Wunderlich/Rowohlt für das kostenfreie Leseexemplar!