Montag, 24. Juli 2017

Rezension: Murder Park von Jonas Winner

Hallo ihr Lieben!

Der Klappentext von "Murder Park" beschreibt ein Szenario genau nach meinem Geschmack. Als Horrorfilm- und Thriller-Fan musste ich dieses Buch von Jonas Winner unbedingt lesen. Ob mich die Geschichte am Ende wirklich überzeugen konnte? Lest selbst!



Cover: Heyne Verlag

Details:



  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (13. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453421760
  • ISBN-13: 978-3453421769
  • Preis: 12,99


  • Inhalt:

    Zodiac Island vor der Ostküste der USA: ein beliebter Freizeitpark – bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. Der Täter Jeff Bohner wird schnell gefasst, der Park aber geschlossen. Die Schreie der Opfer scheinen vergessen zu sein. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park – eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Und dann beginnen die Morde.
    Inhalt & Cover: Heyne Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das grau-schwarze Cover mit dem an der Küste gelegenen Vergnügungspark gefällt mir ziemlich gut, da ich das Setting generell für einen Thriller sehr gelungen finde und der Titel dadurch natürlich auch noch einmal unterstrichen wird. Cool ist es, dass man sich für einen negativen Bildeffekt entschieden hat, wodurch das Cover einfach düsterer wirkt. Die gelbe Schrift bildet dazu einen krassen Kontrast.
     
    Den Schreibstil von Jonas Winner habe ich als sehr angenehm empfunden. Er redet nicht groß um den heißen Brei herum oder verliert sich in unzähligen langatmigen Beschreibungen, sondert bringt meistens alles sofort ungeschönt auf den Punkt.
     
    Die Geschichte hat mich im Großen und Ganzen überzeugen können. Der Leser verfolgt die zwölfköpfige Gruppe, die im Rahmen eines Presseevents den noch nicht komplett fertiggestellten Freizeitpark "Murder Park" testen darf. Rupert Levin, der die Insel gekauft hat, plant dort eine Art "Entertainment für Erwachsene / Singles". Während Reisegruppen auf die Insel kommen, soll ein "Killer"  sein Unwesen treiben. Einer nach dem anderen wird dabei "gekillt" und muss abfahren, die Verbliebenen sollen sich gruseln und näherkommen. Außerdem sind zahlreiche Gegenstände ausgestellt, die teilweise den bekanntesten Serienmördern der Geschichte gehörten und für zusätzlichen Gruselfaktor sorgen sollen.
     
    Bei der Pressereise geschehen dann aber tatsächlich richtige Morde und der 24-jährige Protagonist Paul Greenblatt, der eine besondere Verbindung zum damaligen Mörder auf Zodiac Island hat, ist sich nicht sicher, ob der richtige  Killer vor 20 Jahren wirklich gefasst wurde. Ist Bohner noch frei und hat zurück auf die Insel gefunden? Ist ein Fremder womöglich auf die Insel gekommen und mordet nun? Oder ist der Killer einer aus der Gruppe? Ist es reiner Zufall, dass alle Anwesenden unterschiedliche Sternzeichen haben und Bohner vor 20 Jahren offenbar drei Menschen mit unterschiedlichen Sternzeichen getötet hat?  Die Unsicherheit stresst natürlich den gesamten Trupp, denn ganze 3 Tage müssen die zwölf Personen auf der Insel bleiben. Kommt die Fähre rechtzeitig oder sind am Ende alle tot? Einer nach dem anderen muss dran glauben...
     
    Jonas Winner gelingt es, den Leser unentwegt ins Grübeln zu bringen, wer der Täter sein könnte. Dadurch wird natürlich immer ein konstantes Spannungslevel gehalten, denn Verdächtigungen werden angestellt und wieder verworfen. Die Gedanken des Protagonisten werden dabei natürlich sehr oft geteilt, denn auch er denkt immer wieder in verschiedene Richtungen und ist selbst ein merkwürdiger Charakter. Er wuchs bei Pflegeeltern auf und beschäftigte sich in seiner Jugend mit verschiedenen Serienmördern, von denen er regelrecht fasziniert war und von denen er verschiedene Artikel gesammelt hat. Ob das traumatische Ereignis in seiner Kindheit (was genau passiert ist, lasse ich hier bewusst offen!) Schuld daran ist?
     
    Das Besondere am Thriller "Murder Park" sind verschiedene Interviews, die der Psychiater Sheldon Lazarus im Vorfeld mit den auserwählten Teilnehmern geführt hat. Sie werden ab und an eingestreut, unterbrechen die fortlaufende Handlung und bringen einem die verschiedenen Figuren oder deren Beweggründe, auf der Insel sein zu wollen, näher. Natürlich geben diese einem auch nochmal weitere Denkanstöße, wer denn nun der Mörder sein könnte. Generell bleiben die meisten Figuren auch bewusst zwielichtig und zum Teil unsympathisch, damit man immer weiter verdächtigen kann.
     
    Grundsätzlich gefiel mir also das Szenario auf der Insel und dass man die ganze Zeit über grübeln konnte. Allerdings hat "Murder Park" auch Schwächen bzw. hätte man aus der Geschichte auch noch mehr rausholen können. So finde ich, dass Winner mit dem Setting nicht genug spielt. Die meiste Zeit über spielt sich alles in der Nähe des Hotels ab. Wieso wird kein richtiges Katz- und Maus-Spiel in den alten Teilen des Freizeitparks veranstaltet? Wieso kommt man erst zum Schluss auf die Idee? Hätte Winner noch mehr mit dem Ort als solches gespielt, wäre sicherlich auch noch mehr Spannung  oder Atmosphäre aufgekommen, denn an wirklich rasanten Szenen fehlt es meiner Meinung nach.
    Das Ende hat mich dann auch nicht gänzlich überzeugt, auch wenn die Geschichte insgesamt komplett logisch aufgelöst wird. Man muss den Thriller einfach selbst lesen, denn dann wird man auch verstehen, in welchem Punkt ich womöglich enttäuscht wurde (die erste Wendung). Nichtsdestotrotz kam ganz am Ende noch einmal eine Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hatte und die mich dann doch wieder zum Teil überzeugen konnte.
     
     

    Fazit:

    In "Murder Park" wird eine solide, spannende Serienkiller-Geschichte erzählt, wie sie in jedem guten Horrorfilm vorkommen könnte: Ein abgeschiedener Freizeitpark auf einer Insel, 12 Menschen, 1 Killer. Ist der Killer unter ihnen oder ist ein Fremder auf der Insel? Entkam Jeff Bohner vor 20 Jahren? Der Leser grübelt, grübelt und grübelt. Verdächtigungen werden angestellt und verworfen, was den Reiz und die Spannung der Geschichte auch ausmacht. Die meisten Figuren bleiben bewusst zwielichtig oder unsympathisch, was die Leserschaft nur noch mehr zum Nachdenken bringt. Die Interviews, die die Handlung ab und an unterbrechen, stellen eine Besonderheit dar und machen manche Figuren nur noch verdächtiger. Autor Jonas Winner hätte allerdings noch mehr mit dem Setting spielen können, da sich die Handlung zum Großteil in der Nähe des Hotels abspielt. Er hätte den Freizeitpark oder die Insel noch aktiver in seine Geschichte einbeziehen können, um für noch mehr Atmosphäre und Spannung zu sorgen. Auch an wirklich rasanten Szenen fehlt es. Das Ende kann mich leider auch nur zum Teil überzeugen. Grundsätzlich steckt in "Murder Park" viel Potenzial, vieles wurde auch gut umgesetzt, aber eben nicht alles.
     
    3,5 / 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Heyne für die Bereitstellung eines Leseexemplars.
     
     
     
     
     

    Samstag, 8. Juli 2017

    Rezension: "AMNESIA - Ich muss mich erinnern" von Jutta Maria Herrmann

    Hallo ihr Lieben!

    Letztens kam von Droemer Knaur eine interessante E-Mail reingeflattert, in der mir der Thriller "Amnesia - Ich muss mich erinnern" von Jutta Maria Herrmann vorgestellt wurde. Der Klappentext hat mich echt neugierig gemacht, weshalb ich den Thriller gelesen habe und nun für Euch rezensiere.
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur / Knaur TB
     
  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426519976
  • ISBN-13: 978-3426519974
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Du hast nichts zu verlieren.
    Du hast eine mörderische Wut.
    Und du kannst dich an nichts erinnern …
    Als die Berlinerin Helen die Diagnose Krebs im Endstadium erhält, ist es ihr einziger Wunsch, sich vor ihrem Tod endlich mit ihrer Mutter auszusöhnen, zu der sie ein schwieriges und distanziertes Verhältnis hat. Bei ihrer Familie in der südwestdeutschen Heimat angekommen, muss sie dann schockiert erfahren, dass ihre schwangere Schwester Kristin von ihrem Ehemann Leon misshandelt wird. Am liebsten würde Helen Leon dafür umbringen, zu verlieren hat sie ja nichts mehr. Aber einen Menschen töten? Helen glaubt nicht, dass sie dazu wirklich fähig ist.
    Am nächsten Morgen allerdings ist Leon tot – und Helen, die Medikamente mit schwersten Nebenwirkungen nimmt, hat keinerlei Erinnerung an die vergangene Nacht.
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Droemer Knaur

    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung mit dem blau-grünlichen "Amnesia"-Schriftzug gefällt mir ganz gut. Die Schrift ist bewusst ein bisschen verschwommen abgebildet, was eben zur Amnesie, dem Erinnerungsverlust der Protagonistin Helen, passt.

    "Amnesia" ist der erste Thriller, den ich von Jutta Maria Herrmann lese. Der Schreibstil konnte mich komplett überzeugen, da ich ihre Art, wie sie Dinge umschreibt/beschreibt mag. Außerdem hat sie immer mal wieder einen guten Wechsel zwischen langen und kurzen Sätzen, wodurch in gewissen Situationen eben Hektik/Spannung erzeugt wird.

    Die Geschichte, die die Autorin kreiert hat, hat mich im Großen und Ganzen wirklich unterhalten. Protagonistin Helen, die an Lungenkrebs im Endstadium leidet, wird von ihrem Freund Sven verlassen. Nur eine letzte Notiz, "Leb wohl", bleibt Helen übrig. Daraufhin beschließt sie, ihre Mutter und ihre Schwester Kristin zu besuchen, die bisher von ihrer Krebsdiagnose nichts wissen, da sie ein sehr schwieriges, unterkühltes Verhältnis zueinander haben.
    Während sich Kristin über den Besuch ihrer Schwester freut, zeigt sich die Mutter gewohnt kühl und distanziert. Zwischen Helen und Kristins Ehemann Leon herrscht von Anfang an dicke Luft. Nach und nach erfährt der Leser, dass es an einem Verbrechen liegt, das Leon in der Vergangenheit begangen haben soll (das Verbrechen halte ich an dieser Stelle bewusst offen, um nicht zu viel zu verraten).
    Und schon beginnen auch die mysteriösen Ereignisse rund um Helen: In ihrem Rucksack findet sie ein blutverschmiertes Messer (Hat sie ihrem Freund womöglich etwas angetan?). Ihre Freundin Gela, zu der Helen lange Zeit keinen Kontakt mehr hatte und mit der sie sich einmal in einer Bar trifft, begeht Selbstmord, in dem sie sich aus einem alten Fenster eines Fabrikgebäudes stürzt (By the way: Sie ist auch mit in die Leon-Geschichte verwickelt). Kurz darauf wird Leon erstochen in einem Waldstück gefunden. Hat Helen etwas damit zu tun? Sie weiß es nicht. Als die Tatwaffe im Auto ihrer Mutter auftaucht, welches sie sich zuvor geliehen hat, und sie auch noch Leons Handy hat, scheint die Sache klar zu sein - oder doch nicht?
     
    Jutta Maria Herrmann spielt ganz bewusst und gut mit dem Leser. Ist Helen schuldig oder nicht? Die Frage, die sich die Protagonistin die ganze  Zeit über stellt, stellt sich auch dem Leser unmittelbar und immer wieder. Helen als Charakter ist ihr dabei durchaus gut gelungen. Sie ist von ihrer Krankheit geprägt und lebt im ständigen Bewusstsein, nicht mehr lange leben zu können. Ihr Missmut bzw. die Tatsache, dass sie sich damit abgefunden hat, ist omnipräsent. Störend ist allerdings, dass die Autorin immer und immer wieder die gleichen Szenarien abspielt: Helen geht es nicht gut, sie wirft sich eine Tablette ein und beschwert sich (in Gedanken) darüber, wie schlecht es ihr geht. Das gleiche Gedankenkarussell dreht sich immer weiter.
    Der Autorin gelingt es aber, die Verzweiflung, die auf Grund des Erinnerungsverlust und der Möglichkeit, den Mord an Leon begangen zu haben, aufkommt, authentisch darzustellen. Auch die Ungewissheit, wie sie ihrer Familie von ihrer Krebsdiagnose berichten soll, kommt glaubwürdig rüber.
    Auch die anderen Charaktere sind ihr sehr gut gelungen: Die Mutter tritt Helen unterkühlt entgegen und scheint sehr penibel zu sein. So scheinen Mutter und Tochter grundverschieden zu sein und  eine gewisse Antipathie zu empfinden. Anders verhält es sich mit Kristin, die wiederum ein scheinbar gutes Verhältnis zur Mutter pflegt und sich über Helens Besuch freut. Sie scheint allerdings Eheprobleme mit Leon zu haben: Ständig streiten die beiden, obwohl sogar das erste Baby unterwegs ist. Sie selbst streitet gegenüber Helen aber ab, dass sie und Leon Eheprobleme haben und er sie schlägt. Leon wird durch Helen als unsympathisch beschrieben und diesen Gedanken übernimmt man als Leser auch sehr schnell. Er ist anderen Figuren gegenüber einschüchternd und zum Teil auch aggressiv und wirkt irgendwie bedrohlich und mysteriös. Hat Helen ihn deshalb vielleicht sogar umgebracht, um ihre Schwester zu schützen? Natürlich werde ich hier jetzt nichts verraten. Ich war vom Ende allerdings überrascht, da sich noch ein paar Wendungen ergeben, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Bei einem Charakter bröckelt dann am Ende auch die Fassade... aber bei wem?
     
     

    Fazit:

    Jutta Maria Herrmann spielt in "Amnesie" ganz bewusst mit dem Leser. Ist der Protagonistin Helen zu trauen? Ist sie unschuldig oder hat sie doch den Mord an Leon begangen, ohne sich daran wirklich erinnern zu können? Diese Frage zieht sich durch die komplette zweite Hälfte des Thrillers und fesselt den Leser ganz besonders. Der gelungene Schreibstil trägt dabei ebenfalls zur Spannung bei und löst in den passenden Momenten Hektik oder Verwirrung aus. Die Charaktere sind der Autorin gut gelungen, lediglich die ständigen, wiederholenden Beschreibungen durch Helen sind störend, da die Geschichte dadurch zum Teil unnötig in die Länge gezogen wird. Zum Ende hin geschehen aber noch einmal überraschende Wendungen, die mich überzeugen konnten.
     
    4 von 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
     

    Donnerstag, 29. Juni 2017

    Rezension: Schwarzwasser von Andreas Föhr

    Hallo ihr Lieben!

    Verzeiht mir bitte, dass ich in letzter Zeit so unregelmäßig blogge, aber mein "Medienkommunikation & Journalismus"-Studium frisst momentan echt viel Zeit. Heute melde ich mich mit einer Rezension zum Kriminalroman "Schwarzwasser" von Andreas Föhr zurück. Diesen habe ich vom Droemer Knaur Verlag als Überraschung / unverbindlichen Lesetipp zugeschickt bekommen. Aber natürlich wollte ich Euch meine Meinung trotzdem nicht vorenthalten.
     
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur
     
  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Knaur HC (1. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426654210
  • ISBN-13: 978-3426654217
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    In einer Winternacht wird Klaus Wartberg erschossen. Der Sechzigjährig lebte in einem abgelegenen Haus und galt als unzugänglich und menschenscheu. Am Tatort verhaften Kommissar Wallner und seine Leute eine verstörte junge Frau. Hat sie Wartberg ermordet? Auch der Tote selbst gibt den Ermittlern ein Rätsel auf: Denn einen Klaus Wartberg hat es nie gegeben - seine Papiere sind gut gemachte Fälschungen, der Lebenslauf ist frei erfunden, Freunde oder Familie gibt es nicht. Wer ist also der Tote? Und warum musste er eine andere Identität annehmen?
    Copyright Klappentext & Cover: Droemer Knaur


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover finde ich mit dem Rot und Schwarz und der darauf abgebildeten Sense in Ordnung, aber ich glaube nicht, dass ich zugegriffen hätte, wenn ich das Buch im Laden hätte liegen sehen. Dafür strahlt es für mich doch zu wenig Atmosphäre oder etwas Interessantes aus.
     
    Insgesamt konnte mich auch die Geschichte nicht wirklich überzeugen. Das lag vor allem am Schreibstil, mit dem ich am Anfang wirklich zu kämpfen hatte. Manche Passagen musste ich sogar noch einmal lesen, um den Sinn dahinter zu verstehen. Außerdem lässt der Autor regelmäßig seinen trockenen Humor einfließen, was allerdings an den meisten Stellen total unpassend ist und sich mir meistens auch nicht wirklich der Sinn dahinter erschlossen hat. Ich mag Humor und würde mich auch als humorvollen Menschen beschreiben - scheinbar habe ich aber einfach einen anderen Sinn dafür.
    Auch wenn die Geschichte in Bayern spielt, hat mich der Dialekt, den die Ermittler sprechen, gestört. Ich habe zwar dabei alles verstanden (auch wenn ich nicht aus Bayern komme), fand es aber einfach trotzdem gewöhnungsbedürftig und störend beim Lesen.
     
    Der Kriminalfall war meiner Meinung nach in Ordnung, aber auch nicht unendlich spannend. Natürlich wollte ich wissen, wer hinter Klaus Wartberg steckt und was dieser in der Vergangenheit getrieben hat und warum deshalb diese neue Identität nötig ist. Mir war allerdings auch recht schnell klar, dass die Hauptverdächtige, die 19-jährige Lara Evers, die sich um Wartberg gekümmert hat, nicht die Täterin ist.
    Positiv fand ich den ständigen Wechsel zwischen 2016 und 1996, denn einerseits verfolgt man den aktuellen Kriminalfall, aber auch die Geschichte rund um den Anwalt Dieter Sitting und seine Sekretärin Sylvia Marek, die 1996 eine nicht gerade erfolgreiche Kanzlei führen und vom undurchsichtigen Geschäftsmann Gregor Nolte in teils kriminelle/riskante Dinge hineingezogen werden. Als Leser hat man sich dann natürlich schon gefragt, ist Dieter Sitting vielleicht Klaus Wartberg? Wie sehr hat sich die Situation zwischen Nolte und Sitting zugespitzt? Störend fand ich allerdings, dass man zum Teil durch längere, unnötige Passagen im Jahr 2016 wieder aus der Geschichte gerissen wurde und sich dann gefragt hat, was die unnötigen Längen sollen (Ich sage nur Ravioli-Szene?!).
    Dem Autor sind zum Ende hin dann noch ein paar überraschende Wendungen gelungen, die  mich dann doch überzeugen konnten.
     
    Die Charaktere fand ich gelegentlich ziemlich gewöhnungsbedürftig und konnte ich zum Teil auch nicht ganz ernst nehmen. Polizist Leonhardt Kreuthner versucht beispielsweise nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung und Alkohol am Steuer seinen Kollegen zu schmieren, was allerdings nicht aufgeht. Daraufhin versucht er, sich an seinem Kollegen zu rächen und gefährdet dadurch auch seinen Job. Er hilft außerdem der Hauptverdächtigen Lara Evers zu entkommen und lässt diese bei sich unterkommen, wodurch ich ihn als Polizist überhaupt nicht ernst nehmen kann. Darüber hinaus ist er ein richtiger Sprücheklopfer, der mit anderen die Konfrontation sucht oder diese von hinten herum ins Schlamassel treiben möchte.
    Sympathischer war mir da auf jeden Fall Clemens Wallner, der Leiter der Kripo Miesbach. Er nimmt seinen Job sehr ernst, ist immer engagiert und konzentriert bei der Sache. Er lebt zusammen mit seinem Opa Manfred, der von seiner Frau verlassen wurde. Clemens Vater Ralf ist ins Ausland gegangen, als sein Sohn noch klein war, und hat ihn zurückgelassen und sich nie wieder gemeldet. Über Umwege erfährt Clemens, dass Ralf offenbar für einen kurzen Besuch in Deutschland, was ihn und Manfred sehr aufwühlt. Ob und wie sich die beiden treffen, möchte ich hier gar nicht weiter ausführen, da es für die Haupthandlung auch keine Rolle spielt. Diese ganze Geschichte fand ich alles in allem doch interessant, auch wenn hierdurch natürlich auch Längen entstanden sind.
     
     

    Fazit:

    Bayern-Krimis sind offenbar nicht mein Ding. "Schwarzwasser" konnte mich vom Kriminalfall her nur bedingt überzeugen, da sich ab und an Längen eingeschlichen haben und dadurch die Spannung verloren ging bzw. nur schwer in Gang kam. Die überraschenden Wendungen zum Ende hin konnten mich dann allerdings doch zu einem gewissen Teil überzeugen. Schreibstil, trockener Humor und bayerischer Dialekt waren absolut nicht mein Fall und haben mich beim Lesen gestört. Auch die Charaktere - hier besonders Kreuthner - fand ich unglaubwürdig und ihr Verhalten zum Teil sogar lächerlich. Nur Clemens Wallner fand ich sympathisch und seine Geschichte interessant. 
    Ich werde mit großer Wahrscheinlichkeit kein Fan der Reihe werden und "Schwarzwasser" wird wohl auch mein erster und letzter Krimi von Andreas Föhr bleiben. Fans der Reihe, die seinen Schreibstil und trockenen Humor mögen und die Charaktere schon länger verfolgen und lieben, kommen hier vielleicht auf ihre Kosten - Ich nicht.
     
    2 von 5 Sterne
     


    Danke an Droemer Knaur für die Überraschung / den unverbindlichen Lesetipp!
     
     

    Mittwoch, 24. Mai 2017

    Rezension: Die Flut von Arno Strobel

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Die Flut" von Arno Strobel für Euch! Mein erster Strobel also - abgesehen von Anonym und Fremd, die er zusammen mit Ursula Poznanski geschrieben hat. Im Großen und Ganzen konnte er mich mit seinem Psychothriller überzeugen, ich denke aber, dass er bestimmt noch etwas Besseres auf Lager hat.

    Cover: S. Fischer Verlag
    Details:

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 3 (21. Januar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596198356
  • ISBN-13: 978-3596198351
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Es ist NACHT, sie sind am Strand, HILFLOS, ihm AUSGELIEFERT, sie können sich nicht befreien, und dann kommt die FLUT …
    Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Superintelligenter ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die „perfekte Mordserie“ zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Pfahl in der Nähe fest, so dass er dabei zusehen muss, wenn seine Frau bei Flut langsam ertrinkt.
    Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist. Und es sieht so aus, als hätte er damit Erfolg …
    Copyright Inhalt & Cover: Fischer Taschenbuch


    Meine eigene Meinung:

    Grundsätzlich mag ich bei Psychothrillern schlichte Cover mit wenigen Details - also auch das von "Die Flut". Der Hintergrund ist schwarz und der blau-grüne Titel hebt sich davon ab. Man sieht nur das Gesicht von einer Frau, das von Licht angestrahlt wird und starr nach oben gerichtet ist, was zur Geschichte passt. Frauen werden dort bis zum Kopf im Sand eingegraben, von einem Unbekannten mit Licht angestrahlt und erleben ihre letzten Sekunden, bis die Flut sie verschlingt. Ihre Partner sind währenddessen an Pfählen festgebunden und können nicht zur Hilfe eilen.
     
    Die Geschichte hat mir von Anfang an gefallen und konnte mich sofort in ihren Bann ziehen. Dazu hat auch der simple Schreibstil beigetragen, der das flüssige und schnelle Lesen möglich gemacht hat. Im Prolog bekommt man einen guten Einblick in die Psyche des Killers: Er ist überdurchschnittlich intelligent und spielte in seiner Kindheit grausame Spiele. Beispielsweise ließ er seine Schwester auf einen Stuhl klettern, legte ihr eine Schlinge um den Hals und ließ sie dann auf Zehenspitzen stehen, um ihre Todesangst zu sehen. Einen Psychiater konnte er nach einer kurzen Therapie davon überzeugen, dass er geheilt ist, aber dem scheint nicht so, denn auf Amrum schlägt er mit neuen Taten zu... Mir haben hier besonders die Kapitel aus seiner Sicht, geschrieben aus der Er/Sie-Perspektive, gefallen, denn er fühlt sich die ganze Zeit überlegen und belächelt die Vorgehensweise der Polizisten. Außerdem ist es spannend, wie er seine neuen Opfer auswählt und was er sich generell von dem ganzen Spielchen erhofft.
     
    Hauptsächlich verfolgt der Leser die Geschichte aus Sicht der beiden Pärchen Michael und Julia sowie Andreas und Martina, die gemeinsam auf Amrum Urlaub machen wollen, sich aber erst seit kurzer Zeit kennen. Michael hat Andreas versprochen, ihm beim Ausbau des Dachbodens auf Amrum zu helfen, weswegen es zum Urlaub kommt. Während Julia und Michael ein sehr glückliches Paar sind, ist bei Andreas und Martina eindeutig die Luft raus. Martina ist die ganze Zeit auf Streit aus und provokant (auch den anderen gegenüber), während ihr Mann sie weitgehend ignoriert und offenbar ein Auge auf Julia geworfen hat.  Als ein erster Mord am Strand von Amrum passiert, sind die beiden Paare mehr oder weniger dazu gezwungen auf der Insel zu bleiben, denn die Brieftasche von Michael lag in der Nähe des Tatorts. Diese hatte er aber wahrscheinlich zuvor bei einem Restaurantbesuch verloren. Polizei-Hauptkommissar Harmsen hat sich allerdings von Anfang an auf Michael als Täter eingeschossen und glaubt nicht an Zufälle, während sein Kollege Jochen Diedrichsen sich eher zurückhält.
     
    Wird die Geschichte noch so spannend und interessant erzählt und auch einige falsche Fährten gelegt (Verhält sich der Nachbar nur merkwürdig oder ist er womöglich der Täter?), bleiben die Charaktere jeweils sehr eindimensional und auch deren Dialoge laufen oftmals auf das Gleiche hinaus, was mich irgendwann sehr genervt hat. Julia sorgt sich ständig um Michael, dem die offensichtlichen Anfeindungen und Verdächtigungen durch Harmsen zu schaffen machen, fühlt sich gleichzeitig von Andreas beobachtet und ist von Martinas ständigem Gestreite genervt. Martina kann ihre ständigen provokanten Äußerungen einfach nicht lassen und sucht eigentlich andauernd Streit. Michael hingegen wirkt oftmals noch ziemlich gefasst, fühlt sich von Harmsen aber scheinbar zunehmend eingeschüchtert. Andreas ignoriert währenddessen die bissigen Kommentare von Martina und nimmt seine neuen Freunde in Schutz. Und auch die beiden Polizisten verhalten eigentlich immer gleich: Harmsen ist ein absoluter Choleriker, der sich von niemandem unterbrechen lässt und auf Höflichkeiten und Manieren keinen Wert legt. Er geht mit seinen Verdächtigungen ganz offen um und kam mit seinen bisherigen Kollegen offenbar nie gut aus (er wird unter anderem "Pitbull" genannt). Sein neuer Kollege Jochen Diedrichsen ist von der Art seines Partners genervt, würde ihm am liebsten öfter die Meinung sagen, stößt aber auf taube Ohren bzw. vermeidet oftmals die Konfrontation. Er würde allerdings sehr gerne verstehen, warum Harmsen so ist.
     
    Bis zum Schluss habe ich wirklich gerätselt, wer denn nun tatsächlich hinter dem Mörder steckt. Verschiedene Inselbewohner haben sich bei mir ständig als Hauptverdächtige abgelöst und auch Martina und Andreas hatte ich öfter im Verdacht. Wer allerdings tatsächlich der Killer ist, blieb für mich bis zuletzt undurchsichtig und die Auflösung hat mir gefallen, da sie sehr schlüssig ist.
     

    Fazit:

    "Die Flut" ist ein spannender Psychothriller, der vor allem durch einen flüssigen Schreibstil und eine fesselnde Geschichte punktet. Besonders die Kapitel, in denen der Killer und die Taten beschrieben werden, sind überzeugend. Bis zur Auflösung war für mich unklar, wer tatsächlich hinter den grausamen Taten steckt. Strobel gelingt es allerdings nicht, den Charakteren die nötige Tiefe zu verleihen. Sie wirken oft sehr eindimensional und auch ihre Dialoge drehen sich fast durchweg im Kreis, was für den Leser irgendwann sehr anstrengend ist (gerade in Bezug auf schwierige Charaktere wie Harmsen und Martina). Gerne werde ich noch weitere Psychothriller von Strobel lesen, denn "Die Flut" hat sich insgesamt doch gelohnt.
     
     
    3,5 von 5 Sterne

    Samstag, 20. Mai 2017

    Rezension: Der Circle von Dave Eggers

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Der Circle" von Dave Eggers für Euch, womit ich von meinem Lieblings-Genre "Thriller" etwas abweiche. Den Roman habe ich auch aus einem ganz bestimmten Grund gelesen, denn er wurde mit Emma Watson und Tom Hanks verfilmt und kommt im September in die deutschen Kinos. Außerdem mag ich utopische/dystopische Geschichten und hier dreht sich eben alles um Social Media, die Macht von Medienunternehmen, Transparenz und Anonymität - alles spannende und vor allem aktuelle Themen.
     
    Cover: KiWi Verlag
     
    Details:
     
  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (8. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462048546
  • ISBN-13: 978-3462048544
  • Preis: 10,99


  • Inhalt:

    Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »weisen drei Männer«, die den Konzern leiten – wird die Welt eine bessere. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterne-Köche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles … Copyright Inhaltsangabe & Cover: KiWi Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das schlichte Cover-Design gefällt mir sehr gut, auch wenn das Rot-Orange nicht ganz mein Fall ist. Zu sehen ist das Logo des Circle mit dem unvollendeten Kreis in der Mitte, was zur Geschichte passt, da der Circle eben kurz vor seiner Vollendung steht.

    Die Geschichte hat mich im Großen und Ganzen überzeugt, auch wenn mir teilweise ein roter Faden gefehlt hat. Am Anfang begleitet man Mae Holland an ihrem ersten Arbeitstag beim Circle, wo sie in der Customer Experience anfängt. Dank ihrer Freundin Annie hat sie den Job bekommen. Dort wird sie zunächst mit der Technik vertraut gemacht und bekommt neueste technische Mittel zur Verfügung gestellt. Beim Circle scheint wirklich alles perfekt zu sein: Es gibt ständig irgendwelche Veranstaltungen auf dem Campus, Sänger treten dort regelmäßig auf, es gibt Fitnessstudios und ganz viele Möglichkeiten, um sich selbst einzubringen und zu beteiligen. Außerdem müssen die Circler dort kostenlose Gesundheits-Checks durchführen lassen und ihre Vitalwerte regelmäßig tracken lassen. Zudem können sie neueste Produkte kostenlos testen, eine Krankenversicherung über die Firma beziehen (auch für ihre Familien) und hochmoderne Zimmer im Wohnheim nutzen, wenn sie Lust haben. Allerdings wird auch einiges gefordert: Die Circler müssen partizipieren, also regelmäßig an Veranstaltungen teilnehmen und online über fast alle  Dinge, die sie erleben, schreiben, Kommentare schicken, Smiles versenden. Je stärker die Partizipation, desto höher das Partizipations-Ranking und damit die Beliebtheit bei den anderen Circlern. Wer nicht partizipiert, gilt als asozial und wird angefeindet.
    Natürlich tritt Mae am Anfang in ein paar Fettnäpfchen: Sie verpasst eine Veranstaltung, zu der sie als Neuling eingeladen wurde (woraufhin ein Fall wegen unsozialem Verhalten eröffnet wird!) und sie verlässt den Campus immer pünktlich um 17 Uhr nach Feierabend und nimmt keine der "freiwilligen" Angebote war. Ihren Job erledigt sie allerdings ganz gut, ihr CE-Ranking liegt immer regelmäßig im Bereich zwischen 96 und 100. Als sie von den Chefs darum gebeten wird, nicht nur ihren Job gut zu machen, sondern noch stärker zu partizipieren und sie regelrecht zur Rede gestellt wird, warum sie sich noch nicht großartig beteiligt hat oder online bestimmte Dinge von sich preisgegeben hat, ändert sie schlagartig ihr Verhalten und passt sich immer weiter an. Im Laufe der Geschichte bekommt sie immer mehr Bildschirme auf den Tisch gestellt und muss nicht nur ihren Job erledigen, sondern auch darüber ihren "sozialen Verpflichtungen" beim Circle nachkommen.
    Mit Francis, der ebenfalls einen Job beim Circle hat, und einem mysteriösen Kalden, bandelt sie immer öfter an. Bis Kalden sie schließlich darum bittet, die Vollendung des Circle (die völlige Transparenz) aufzuhalten. Was wird Mae tun? Ist Kalden womöglich ein Spion? 
     
    Am Anfang war mir Mae mit ihrer teils naiven und aufgeregten Art sympathisch, was sich im Laufe der Geschichte allerdings geändert hat (was vom Autor aber sicherlich auch bewusst so gewollt ist, um die negativen Auswirkungen des Circle aufzuzeigen). Sie passt sich immer weiter an, ohne die Auswirkungen der technischen Errungenschaften, die für immer mehr Transparenz und fehlende Anonymität (Ziele des Circle) sorgen, zu hinterfragen.
    Zu ihren Eltern, die ärmliches bis gewöhnliches Leben führen, hat Mae eigentlich ein gutes Verhältnis. Sie sind stolz, dass sie den neuen Job ergattern und sich hocharbeiten konnte und außerdem noch eine kostenlose Krankenversicherung für ihre Mutter und ihren kranken Vater (er hat MS) beziehen konnte. Allerdings sollen ihre Eltern durch SeeChange-Kameras nun auch fortwährend beobachtet werden, alles soll transparent werden. Je stärker der Einfluss des Circle, desto schlechter scheint das Verhältnis zwischen ihren Eltern und ihr zu werden. Auch zu ihrer Freundin Annie, die ebenfalls beim Circle arbeitet, scheint sich das Verhältnis zu verändern. Als ihr Ex-Freund Mercer, der lieber anonym bleibt und online eigentlich gar nichts macht, sie zur Rede stellt und ihr erklärt, dass sie immer weiter den Bezug zur Realität verliert, wird sie wütend und ist uneinsichtig. Die Figuren bleiben im Großen und Ganzen aber relativ blass und bekommen nicht die nötige Tiefe verliehen. Ihre Beweggründe, Gedanken und Motive hätten noch stärker hervorgehoben werden können (gerade bei den Circler-Gegnern).
     
    Spannungstechnisch muss ich sagen, dass die Geschichte erst sehr spät an Fahrt aufnimmt (ungefähr ab den letzten 200 Seiten), da Eggers zunächst die ganze Welt, die er kreiert, erklärt und die Besonderheiten aufzeigt. Aber besonders die Welt hat mich fasziniert. Es gibt eben diesen Circle mit all seinen Parolen ("Teilen ist Heilen", "Geheimnisse sind Lügen",  "Anonymität ist Diebstahl"), der mit all seinen Erfindungen (TruYou: ein einziger Online-Account, der alle Online-Konten miteinander verknüpft und damit Anonymität im Netz unmöglich macht, SeeChange: Kameras überall auf der Welt, die Kriminalität verhindern, etc.) für beinahe absolute Transparenz sorgt (auch immer mehr Politiker werden im Buch gläsern) und alles Wissen kollektiv zur Verfügung stellt. Mit der krassen Partizipation stellt er natürlich unsere heutige Generation an den Pranger und will uns davor warnen, wohin wir uns entwickeln könnten. Allerdings müssten auch hier die perönlichen Konsequenzen noch drastischer aufgezeigt werden, um wirklich zu schockieren.
     
     

    Fazit:

    "Der Circle" ist eine moderne Variante von "Brave New World" und "1984". Eggers entwickelt eine Welt, in der Anonymität und Nicht-Partizipieren im Netz absolute Tabus sind ("Teilen ist Heilen", "Geheimnisse sind Lügen", "Anonymität ist Diebstahl"). Stattdessen muss alles Wissen und  jede Aktivität im Netz festgehalten werden, Partizipation wird ganz groß geschrieben. Diese Welt ist für den Leser faszinierend, erschreckend und sehr detailreich beschrieben, wobei oftmals eine richtige Entwicklung in der Handlung fehlt und auch erst zum Ende hin wirklich Spannung aufkommt. Die Themen, die dort behandelt werden, sind dabei aber hochaktuell und gar nicht so aus der Luft gegriffen. Die Charaktere, deren Gedanken und Motive werden oftmals nur oberflächlich dargestellt und auch die Konsequenzen der nahezu absoluten Transparenz werden nur grob gestriffen, aber nicht drastisch genug dargestellt, um wirklich zu schockieren. Für Fans von modernen utopischen/dystopischen  Geschichten rund um die Macht von Medienunternehmen ist "Der Circle" aber durchaus lesenswert.
     
    3 / 5 Sterne
     


    Hier der Trailer zum Film mit Emma Watson und Tom Hanks: