Dienstag, 31. Oktober 2017

Rezension: Flugangst 7A von Sebastian Fitzek

Hallo ihr Lieben!

Als absoluter Fitzek-Fan habe ich natürlich schon lange auf die Veröffentlichung von "Flugangst 7A" hingefiebert. Leider hat mich der neueste Thriller von Sebastian Fitzek aber nicht gänzlich überzeugt, was vor allen Dingen an der unrealistischen/überzogenen Konstruktion der Geschichte liegt und an den beiden Storylines, die meiner Meinung nach nicht so gut zusammenpassen (besonders was die Auflösung hinsichtlich der Motive, etc. angeht, auch wenn das in sich logisch erklärt wird). Aber lest einfach selbst, was ich mag und was nicht. Spannend ist die Geschichte auf jeden Fall.


Details:
Cover: Droemer Knaur

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Droemer HC (25. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426199211
  • ISBN-13: 978-3426199213
  • Preis: 22,99


  • Inhalt:

    Es gibt eine tödliche Waffe, die durch jede Kontrolle kommt.
    Jeder kann sie ungehindert an Bord eines Flugzeugs bringen.

    Ein Nachtflug Buenos Aires-Berlin.
    Ein labiler Passagier, der unter Gewaltphantasien leidet.
    Und ein Psychiater, der diesen Patienten manipulieren soll, um an Bord eine Katastrophe herbeizuführen.
    Sonst verliert er etwas sehr viel Wichtigeres als sein Leben ...
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Droemer Knaur Verlag


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover sticht einem natürlich sofort wieder ins Auge und ich finde es toll, dass man passenderweise einen Ausschnitt eines Flugzeugs gewählt hat, was ich so bisher nicht gesehen habe. Bei den Ausgaben, die im Handel zu kaufen sind, ist im Flugzeugfenster ein 3D-Effekt eingebaut, wodurch das Ganze natürlich noch einmal hochwertiger und besonders wirkt. Ich habe vom Verlag eine Ausgabe zur Verfügung gestellt bekommen, wo dieser Effekt leider fehlt (aber ist ja halb so wild - es kommt schließlich auf den Inhalt und nicht nur auf die Verpackung an!).
     
    Die Geschichte dreht sich um Mats Krüger. Er ist Psychiater und trotz Flugangst auf dem Weg von Buenos Aires nach Berlin, um dort seiner schwangeren Tochter Nele, die kurz vor der Entbindung steht, beistehen zu können. Die beiden haben ein sehr schwieriges Verhältnis zueinander und auch keinen wirklichen Kontakt, da Mats seine krebskranke Frau Katharina damals im Stich gelassen hat, als diese im Sterben lag. Anstatt seiner Frau beizustehen, hat er sich einmalig auf eine andere Frau eingelassen, wovon Nele Wind bekommen hat. Daraufhin ist Mats von Berlin nach Argentinien gezogen.
    Mir gefällt es, dass Sebastian Fitzek immer wieder Protagonisten mit Ecken und Kanten entwickelt, die Fehler machen und nicht aalglatt sind. Auch Nele wurde sehr gut ausgearbeitet. Sie ist HIV-positiv und setzt alles daran, dass ihr Kind sich bei der Geburt nicht mit dem Virus anstecken wird. Einerseits scheint sie mit dem Gedanken an ein Kind zum Teil überfordert zu sein, aber sie hat sich trotzdem bewusst dafür entschieden. Von ihrem Freund, der sie wegen der plötzlichen Schwangerschaft verprügelt hat, hat sich Nele getrennt. Nichtsdestotrotz hat er ihr ab und an aufgelauert, Drohungen hinterlassen und wollte sie zum Schwangerschaftsabbruch drängen. Nachdem die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs verstrichen ist, hat sie von ihm nichts mehr gehört.
    An Bord der Maschine bekommt Mats eine schockierende Nachricht von einem mysteriösen Anrufer: Bei seiner Tochter hat der Blasensprung eingesetzt und sie wurde entführt. Mats soll im Flugzeug einen alten Patienten finden, die erfolgreiche Therapie bei diesem rückgängig machen, so dass derjenige das Flugzeug mit den 626 Personen zum Absturz bringt. Daraufhin versucht Mats, seine Kollegin Feli, die an diesem Tag eigentlich heiraten will und von Mats nie wieder etwas hören wollte, zu erreichen und fordert von ihr, dass sie sich auf die Suche nach Nele begibt - und das macht sie. Dabei stößt sie bei ihren Recherchen auf Livio, der ihr nach einigem Hin und Her hilft. Mats muss währenddessen in der Maschine alles geben. Zu anderen Nebenfiguren möchte ich an dieser Stelle gar nichts sagen, um euch nicht den Lesespaß zu nehmen.
     
     
    Eigentlich ist Sebastian wieder ein absolut spannender, nervenaufreibender Pageturner gelungen. Am Ende der meisten Kapitel gibt es Cliffhanger und es kommt auch immer wieder zu Perspektivwechseln zwischen Mats, Feli und Nele, weshalb man unbedingt weiterlesen möchte. Der flüssige, fesselnde Schreibstil trägt ebenfalls dazu bei. Einerseits will man wissen, wer der Erpresser am Telefon von Mats ist, wer sein Patient ist (was relativ schnell klar wird, aber ich will an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen) und wie er nun an der Maschine weiter vorgehen will. Andererseits verfolgt man Nele gespannt, die sich in den Fängen eines sehr merkwürdigen Entführers befindet und bald ihr Baby zur Welt bringen wird. Ihr Entführer ist ein wirklich seltsamer Kauz, der einen ganz eigenen Plan verfolgt. Hiermit möchte Sebastian wieder einmal bewusst Gesellschaftskritik üben, was ja auch nicht unbedingt verkehrt ist.
    Hier liegt für mich allerdings auch das Problem: Ich fand die Nele-Storyline (in Bezug auf das Motiv des Entführers) in Verbindung mit der Flugzeug-Storyline teilweise einfach absurd, da für mich beides einfach nicht zusammengepasst hat. Teilweise musste ich da das ein oder andere Mal wirklich mit dem Kopf schütteln. Am Ende wird zwar alles logisch aufgelöst, weshalb zwischen den beiden Handlungssträngen diese merkwürdige Verbindung besteht, trotzdem hatte ich aber immer noch dieses skeptische "Okay?!" im Kopf.
    Zum Teil kam mir die Geschichte einfach vor wie eine Mischung aus "Non-stop" (mit Liam Neeson), "Flight" (mit Denzel Washington) [wobei Fitzek sich eher auf psychische Vorerkrankungen von Passagieren, Crew und Piloten bezieht] und "Cowspiracy" oder "Das System Milch" - schon anhand der genannten Filmtitel lässt sich die Absurdität (hoffentlich) erahnen.
    Zum Ende hin gab es ganz Fitzek-like mehrere Wendungen. Diese haben mich zum Teil wirklich überrascht, aber irgendwann habe ich mir auch nur noch gedacht "Na schön - noch eine Wendung also". Der "Aha"- oder "Oho!"-Effekt blieb an mancher Stelle einfach aus, da es für meinen Geschmack dann schon zu viele Wendungen waren.
     
    Ein Kompliment muss ich Fitzek aber zum Schluss noch machen: Er greift immer wichtige Themen auf. Hier: Flugsicherheit (gerade nach der German-Wings-Katastrophe wichtig!). Und man merkt, dass er wirklich eine große Recherche betrieben hat, um auch die Flugangst von Mats Krüger (der mehrere Sitze bucht, die beim Absturz besonders geschützt oder gefährdet wären) realistisch erscheinen zu lassen. Hut ab! Außerdem werden noch Themen wie die Milchproduktion, Mobbing oder Sterbehilfe am Rande aufgegriffen.
     
     

    Fazit:

    Eigentlich ist Sebastian Fitzek mit "Flugangst 7A" ein spannender, nervenaufreibender Pageturner gelungen, der alles mitbringt: einen guten Schreibstil, gut ausgearbeitete Charaktere, Perspektivwechsel, Cliffhanger, mehrere Wendungen und gut recherchierte Fakten rund um das Fliegen und die Flugangst. ABER: Meiner Meinung nach hat sich Fitzek insgesamt einfach zu viel vorgenommen und die beiden Storylines (gerade in Bezug auf Täter-Motive) passen für meinen Geschmack nicht so gut zueinander (auch wenn das offenbar laut Auflösung so gewollt war) und haben für mich in der Kombination einfach absurd gewirkt (gerade was den Entführer von Nele angeht. WTF?!). Teilweise kam es mir vor wie eine Mischung aus "Non stop", "Flight" [Fitzek spricht aber eher psychische Erkrankungen von Fluggästen, Crew und Piloten an], "Cowspiracy" und "Das System Milch" - ein absurder Mix, der nicht so recht zusammenpassen will. Ich bin zwar förmlich durch die Seiten geflogen (weil es wirklich spannend war!) und gerne würde ich auch mehr Sterne vergeben, aber das kann ich dieses Mal nicht. Ich habe "Das Paket" damals mit vier Sternen bewertet und habe dort nicht ganz so viel zu meckern gehabt. Insgeheim würde ich mich freuen, wenn Fitzek sich eher auf Geschichten wie "Augensammler", "Augenjäger" oder "Abgeschnitten" zurückbesinnt.
     
     
    3 / 5 Sterne
     
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung des Buchs!
     
    Hier findet ihr alle meine anderen Fitzek-Rezensionen:

    Rezension zu Abgeschnitten
    Rezension zu Die Blutschule
    Rezension zu Der Nachtwandler

    Mittwoch, 18. Oktober 2017

    Rezension: Das Spiel: Tod von Jeff Menapace

    Hallo ihr Lieben!

    Ich habe nun den letzten Teil der Spiel-Trilogie von Jeff Menapace gelesen und möchte Euch natürlich meine Meinung zu "Das Spiel: Tod" nicht vorenthalten. Die Trilogie wurde im letzten Monat sogar noch um ein weiteres Buch (Original-Titel: Bad Games: Malevolent) erweitert und damit zur Tetralogie. Ob und wann der Band hier auf Deutsch erscheinen wird, ist bisher nicht bekannt.
    Ich empfehle, einen Teil nach dem anderen zu lesen. Solltet ihr die anderen Teile noch nicht kennen, überspringt die Rezension lieber, da ihr sonst auf ein paar +++Spoiler+++ stoßen würdet.

    Details:
    Cover: Heyne Hardcore
  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (10. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453677099
  • ISBN-13: 978-3453677098
  • Preis: 9,99




  • Inhalt:

    Die Lamberts sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Liebevolle Eltern, entzückende Kinder. Doch nach der grauenvollen Begegnung mit drei Psychopathen ist für die Lamberts nichts mehr wie zuvor. Sie haben überlebt ― aber es gibt noch ein letztes Spiel, das gespielt werden muss. Für den Meister dieses Spiels ist es die Krönung seines perfiden Schaffens … für die Lamberts die pure Hölle!
    Copyright Klappentext & Cover: Heyne Hardcore


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover gefällt mir persönlich gar nicht, da es einfach nichts mit der Handlung zu tun hat und auch so nicht wirklich neugierig macht. Außerdem könnte der Klappentext für begeisterte Leser der ersten beiden Teile etwas irreführend sein, denn in diesem Teil geht es hauptsächlich um Domino, der im zweiten Teil eine Rolle gespielt hat. Die Lamberts tauchen natürlich am Rande auf, sind dieses Mal aber nicht die Leidtragenden des "Spiels". Mir persönlich hat das gar nichts ausgemacht, da ich die Geschichte wegen der interessanten Charaktere und ihren Handlungen auch so als sehr spannend und fesselnd empfunden habe.
     
    Dass die gesamte Trilogie kein literarisches Meisterwerk ist, dürfte klar sein. Es handelt sich um kurzweilige Horror-Thriller, wobei die Ästhetik der Sprache natürlich keine große Rolle spielt. Der Autor hält sich auch dieses Mal nicht mit unnötigen/langen Beschreibungen auf, sondern bringt das Geschehen drastisch und unkompliziert auf den Punkt, was wiederum auch zu den Charakteren passt, die schonungslos agieren. So kommt es dieses Mal auch nicht zu unnötigen Längen, was ich im vorherigen Teil kritisiert hatte.
     
    Monica, die Schwester der Fannelli-Brüder, lebt und möchte sich dieses Mal an Domino rächen, da dieser ihren Vater beim finalen Showdown im letzten Buch getötet hat. Um ihren grausamen Plan und das letzte "Spiel" umsetzen zu können, geht sie in einem Mädchen-Internat für schwererziehbare Mädchen verdeckt auf die Suche nach einer Psychopathin. Dort wird sie fündig: Kelly hat im Internat schon das ein oder andere Verbrechen (auch Mord!) begangen, aber immer dafür gesorgt, dass ihr nichts nachgewiesen werden konnte. In ihr scheint eine böse Persönlichkeit zu schlummern, die für Monicas Plan perfekt ist...
    Derweil ahnt Domino von seinem "Glück" noch nichts und glaubt, dass seine Rivalin tot ist. Er kümmert sich freundschaftlich um Amy Lambert und ihre Kinder Caleb und Carrie, die nach den Geschehnissen im zweiten Teil ein neues Zuhause bezogen haben. Domino macht sich immer noch Vorwürfe dafür, dass er seinen Freund Patrick, Amys Ehemann, am Ende des zweiten Teils nicht retten konnte und möchte deshalb die übrigen Lamberts beschützen.
     
    Insgesamt finde ich, dass die Charaktere wieder einmal sehr gut ausgearbeitet wurden. Die beiden Bösen arbeiten gemeinsam ihren perfiden Plan aus, wobei Monica eine Art Mentoren-Rolle für Kelly einnimmt und ihr auch nicht immer alles im Detail erklärt, sondern Dinge vorenthält. Kelly scheint von Monicas Mordlust und ihrer Schonungslosigkeit fasziniert, scheint aber irgendwie ihren eigenen Kopf zu haben, was Monica zum Teil versucht zu unterdrücken. Von Domino bekommt der Leser dieses Mal auch andere Facetten zu spüren: Er ist nicht nur ein muskelbepackter, starker, hilfsbereiter und verantwortungsbewusster Beschützer, sondern hat auch einen weichen, zerbrechlichen Kern.

    Spannungstechnisch konnte der dritte Teil mich voll und ganz überzeugen, da (wie schon zuvor erwähnt) auf unnötige Längen, die leider im vorherigen Teil auftraten, verzichtet wurde. Einige andere Leser hatten das Gefühl, dass der Autor keine großen Ideen mehr hatte und den letzten Teil einfach schnell runtergeschrieben hat - das Gefühl hatte ich nicht.  Das "Spiel", das Monica am Ende mit Domino spielt, fand ich wirklich sehr nervenaufreibend, da selbst der Starke schnell an seine Grenzen kommt und nicht (nur) um sein eigenes Leben kämpfen muss... Hinzu kommt, dass sich der Showdown dieses Mal schon stärker von den ersten beiden unterscheidet.

    Fazit:

    Jeff Menapace ist ein spannendes, nervenaufreibendes Finale gelungen. Auf unnötige Längen, die im zweiten Teil noch auftraten und die Spannung abflauen ließen, wurde verzichtet. Dabei wirkt die Geschichte aber keinesfalls ideenlos oder schnell runtergeschrieben. Besonders gut gelingt es ihm, die Charaktere zu zeichnen und im Fall von Domino auch neue, überraschende Facetten zu zeigen. Der Showdown bzw. das Spiel, bei dem Domino nicht nur um sein eigenes Leben kämpfen muss, war spannend und anders gestaltet (im Vergleich zu den Vorgänger-Teilen). Insgesamt handelt es sich bei der Trilogie natürlich um kein literarisches Meisterwerk für Sprachästhetiker, aber das ist natürlich auch nicht die Absicht des Autors.

    4 / 5 Sterne


    Das Spiel: Tod bei Randomhouse

    Rezension "Das Spiel: Opfer"
    Rezension "Das Spiel: Rache"


    Vielen Dank an Heyne Hardcore/ das Bloggerportal für die Bereitstellung des Buches.

    Donnerstag, 28. September 2017

    Rezension: Housesitter von Andreas Winkelmann

    Hallo ihr Lieben!

    Heute geht es weiter mit einer Rezension zu "Housesitter" von Andreas Winkelmann. Der Autor konnte mich zuletzt schon mit seinem Thriller "Nummer 25", den er unter dem Pseudonym Frank Kodiak veröffentlicht hat, komplett überzeugen, weswegen die Vorfreude auch dementsprechend groß war.

    Cover: Wunderlich

    Details:

  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (18. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3805251025
  • ISBN-13: 978-3805251020
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    Er will dein Haus. Er will deine Frau. Er will dein Leben. Er ist der Housesitter

    Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd.
    Dann spürst du einen jähen Schmerz - und es wird Nacht um dich.

    Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf.
    Deine Freundin ist verschwunden - entführt.

    Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen...
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Wunderlich Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover  von "Housesitter" gefällt mir persönlich sehr gut. Man kann sich quasi vorstellen, wie der Housesitter vor einem Haus lauert, den Lichtschein sieht und darauf hofft, dass die Bewohner bald in den Urlaub fahren und er sich einnisten kann. Der blutrote Schriftzug, durch den sich ein paar Zweige eines Baumes schlängeln, lässt das Ganze noch interessanter wirken.
     
    Mit der Geschichte konnte Winkelmann mich auch dieses Mal wieder überzeugen. Anfangs fand ich die Charaktere zwar noch recht platt und langweilig bzw. eindimensional, das hat sich aber dann doch recht schnell gelegt.  Besonders spannend fand ich es, dass er die Geschichte wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln (allerdings in Er/Sie-Form, nicht in der Ich-Perspektive) erzählt.
    So verfolgt der Leser  Thomas Bennett, der selbst durch pures Glück eine Attacke des Housesitters überlebt hat und nun auf der Suche nach seiner schwangeren Freundin Saskia Laak ist, die entführt wurde. In seinen Augen tut die Polizei, besonders der Ermittler Scheurich, einfach nicht genug, um Saskia zu finden, weswegen er selbst Flyer und Plakate anfertigen lässt und diese mit seinem Bruder Nils, zu dem er ein merkwürdiges Verhältnis hat, verteilt. Er macht sich zunehmend Sorgen, schläft kaum und gibt alles, auch wenn er selbst fast am Ende seiner Kräfte ist. Außerdem gibt er sich zum Teil auch selbst die Schuld, weil er sich für feige hält und glaubt, seine Freundin nicht richtig beschützt zu haben. Während Scheurich eher untätig ist, erkennt Priska Wagner, eine Polizistin, die in einer anderen Stadt an einen ähnlichen Fall gerät, recht schnell eine Verbindung und geht dieser auf eigene Faust und zum Teil mit Hilfe ihres Kollegen Kerkmann nach. Sie ist sehr schlagfertig, direkt, motiviert, lässt sich von ihren männlichen Kollegen und Vorgesetzten nicht unterbuttern und ist sehr dominant. Ihr ist es zudem egal, was andere von ihr halten und sie wirkt oftmals unsympathisch. Natürlich kommt es auch mit Scheurich, den sie aufsucht und um Infos bittet, zu Reibereien. Außerdem hat sie sehr gute Instinkte, die sie antreiben, weiter Nachforschungen anzustellen, auch wenn das gegen den Willen ihres Vorgesetzten geschieht. Ihr Enthusiasmus und die Tatsache, dass sie hinterher gemeinsam mit Thomas agiert, obwohl es ja nicht ihr Fall ist, haben sie irgendwie für mich sympathisch gemacht, auch wenn ich sie anfangs gar nicht mochte.
     
    Besonders spannend waren natürlich die Kapitel aus Sicht des Housesitters. Einerseits verfolgt man hier, wie er neue Opfer ausfindig macht, im Haus eines Pärchen haust und dann den Mann mit einem Hammer erschlägt und die Frau entführt, sobald sie aus dem Urlaub kommen. Der Autor sorgt hierbei immer wieder für Nervenkitzel, da man nicht weiß, ob und wie lange die Frau überleben wird. Außerdem geht der Killer immer sehr brutal und schonungslos vor.  Andererseits werden auch immer wieder Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend des Housesitters sinnvoll eingebaut, wodurch der Leser zum Teil einen Einblick in seine Psyche bekommt und zum Teil auch Verständnis für dessen Lage aufbringen kann.
    Dadurch, dass es immer einen Wechsel von Thomas zu Priska Wagner, zu einem weiteren Opfer oder zum Housesitter gab, wurde das Spannungslevel  meiner Meinung nach sehr gut gehalten. Man verfolgt einerseits die Ermittlungen und ob sich langsam eine brauchbare Spur auftut und andererseits den Housesitter, der sich immer wieder neue Opfer sucht, die darauf hoffen, das alles zu überstehen.
    Das Ende, wo sich nach und nach die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen und der Housesitter endlich ausfindig gemacht werden kann, hat mich ebenfalls überzeugt.
     

    Fazit:

    Andreas Winkelmann sorgt mit "Housesitter" wieder einmal für Nervenkitzel und Spannung. Besonders die unterschiedlichen Blickwinkel, aus denen die Geschichte erzählt wird, überzeugen. Einerseits verfolgt man den Housesitter, wie er seine neuen Opfer beobachtet, dann in ihrem Haus haust, wenn sie im Urlaub sind, und dann schonungslos zuschlägt. Ob und wie lange er dann mit den entführten Frauen zusammen leben kann oder ob er sie auch mit seinem Hammer erschlägt, ist die Frage. Andererseits verfolgt man Thomas Bennett, der alles daran setzt, seine entführte Freundin Saskia zu finden und schließlich mit Priska Wagner, die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Fällen herstellen kann, zusammenarbeitet. Anfangs fand ich die Charaktere leider platt und langweilig - am Ende wurde "Housesitter" aber doch zu einer gelungenen Überraschung. Allerdings kann das Niveau von "Nummer 25" nicht gehalten werden.

     
     
    4 / 5 Sterne
     
     
     
     
     
    Vielen Dank an Wunderlich für das kostenfreie Leseexemplar!
     
     

    Samstag, 23. September 2017

    Rezension: Feuerläufer von Paul Finch

    Hallo ihr Lieben!

    Dass ich mittlerweile ein großer Fan von Paul Finch bin, ist kein Geheimnis mehr. Deshalb musste ich natürlich auch unbedingt seinen neuen Thriller "Feuerläufer" lesen. Dem Autor ist auch hier wieder eine spannende Geschichte rund um Detective Sergeant Mark "Heck" Heckenburg gelungen.


    Details:
    Cover: Piper

  • Taschenbuch: 544 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (1. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492309747
  • ISBN-13: 978-3492309745
  • Preis: 10,00


  • Inhalt:

    Ein perfider Killer macht England unsicher, und Mark Heckenburg ist ihm dicht auf den Fersen. Die Ermittlungen führen den Detective in seine Heimat, die heruntergekommene Industriestadt Bradburn. Doch hier versteckt sich nicht nur der Mörder, ein Brandstifter fackelt Häuser und Menschen ab. Bald findet Heck heraus, dass zwischen den Bossen der Bradburner Unterwelt Krieg herrscht. Und er muss es nicht nur mit gleich zwei Killern aufnehmen, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit …
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Piper Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das schwarz-weiße Cover mit der neon-orangen Schrift und der farbige Buchschnitt gefallen mir auch dieses Mal wieder sehr gut, da einem das Buch sofort ins Auge springt. Auch der Titel passt perfekt, denn einer der perfiden Killer wird eben "Feuerläufer" genannt.
     
    Zum Schreibstil des Autors muss ich eigentlich gar nicht mehr viel sagen. Er ist simpel und fesselnd zugleich. Außerdem nimmt sich Finch sehr viel Zeit, um die Schauplätze genauer zu beschreiben und somit dem Leser ein gewisses Bild einer Stadt, eines Ortes oder einer Situation zu liefern.
     
    Die Geschichte konnte mich auch dieses Mal wieder überzeugen, da Mark Heckenburg es eben gleich mit zwei Killern aufnehmen muss, wobei jeweils einer davon für eine der beiden Banden in Bradburn zuständig zu sein scheint. Einerseits gibt es John Sagan, der Menschen in seiner "Quälbox", einem speziell ausgestatteten Wohnwagen, auf brutale Weise verstümmelt. Andererseits gibt es den Feuerläufer, der seine Opfer mit einem Flammenwerfer abfackelt. Besonders spannend waren die Szenen, in denen der Feuerläufer seinen nächsten Opfern auflauert und dann wieder zu Werke geht.
     
     Das Markenzeichen von Paul Finch sind natürlich spannende Verfolgungsjagden, die auch in "Feuerläufer" nicht fehlen und den Leser unterhalten. Was ich persönlich etwas langatmig fand, waren die ständigen Beschreibungen der Banden, auch wenn sie natürlich vordergründig eine tragende Rolle in der Geschichte spielen (schließlich geht es ja darum, herauszufinden, wer hinter dem Feuerläufer steckt und ob es sich um einen Bandenkrieg handelt und wieso dieser entfacht ist). Dadurch hat die Geschichte für mich aber einfach immer wieder zwischendurch an Spannung verloren. Ich denke, dass es besser gewesen wäre, wenn Finch die Geschichte vielleicht um 50 Seiten gekürzt hätte. Auf den letzten 100 Seiten, wo es allmählich zum finalen Showdown kommt, wurde ich dann aber doch wieder voll und ganz in die Geschichte gesogen.   Wer nun hinter dem Feuerläufer steckt und was es mit allem auf sich hat, werde ich natürlich nicht verraten. Nur so viel kann ich sagen: Einen Verdacht, den Heck zum Ende hin hatte, hatte ich schon von Anfang an. Dieser stellt sich jedoch als falsch heraus, der richtige Feuerläufer lauert Heck und der zuvor verdächtigten Person auf und die beiden müssen gemeinsam um ihr Überleben kämpfen! Spannend!
     
    Paul Finch ist es gelungen, dieses Mal auch andere Facetten von Heck noch stärker auszuarbeiten. So bekommt der Leser nicht nur den mutigen, risikobereiten und eigensinnigen Heck zu spüren, der sich immer über andere Anweisungen hinwegsetzt, seine eigenen Theorien verfolgt und sich auch mit den Gangstern persönlich anlegt, sondern auch den nachdenklichen Heck, der mit seiner bewegten Vergangenheit noch nicht abgeschlossen hat. Beispielsweise erfährt der Leser, wieso Heck überhaupt Polizist geworden ist, wieso es zu einem Bruch mit seiner Familie gekommen ist und wieso er mit Bradburn eigentlich komplett abgeschlossen hat. Außerdem trifft er in Bradburn auch auf seinen Onkel, der dort Pater ist.
     Natürlich wird auch wieder das Verhältnis zwischen ihm und seiner vorgesetzten Gemma Piper, mit der er einst zusammen war, beleuchtet. Zwischen den beiden scheinen zum Teil irgendwie noch Funken zu sprühen, aber beide wissen, dass sie gemeinsam einfach keine Chance mehr hätten. Außerdem widersetzt sich Heck wieder regelmäßig ihren Anweisungen und bringt sich gegen ihren Willen ständig selbst in Gefahr.
    Auch die anderen Figuren, beispielsweise Hecks "erste Flamme" Kayla Green, die in ihrem Leben auch sehr viel erlebt hat und froh ist, Heck wiederzusehen,  oder die Bösewichte Vic Ship und Lee Shaughnessy, sind alle sehr gut ausgearbeitet und bleiben nicht platt/eindimensional.
     
     

    Fazit:

    Paul Finch ist mit "Feuerläufer" erneut ein spannender, fesselnder Thriller gelungen, der vor allen Dingen durch den brutal agierenden Feuerläufer und die undurchschaubaren Machenschaften punktet. Besonders auf den letzten 100 Seiten wird die Spannung noch einmal ordentlich angezogen, weil sich Heck wieder einmal selbst in Gefahr bringt.  Auch die spannenden Verfolgungsjagden, die ein Markenzeichen des Autors sind, kommen hier nicht zu kurz. Dem Autor gelingt es außerdem, andere Facetten der Hauptfigur einzustreuen und Nebenfiguren ebenfalls vielseitig zu beschreiben. Störend sind lediglich die ständigen ausführlichen Beschreibungen zu den beiden Brandburner Banden, da hierdurch die Spannung immer wieder verloren geht. Insgesamt wäre es vielleicht besser gewesen, wenn man sich hier etwas eingeschränkt hätte und somit insgesamt 50 Seiten eingespart hätte, um kontinuierlich für Spannung zu sorgen.
     
     
    4 / 5 Sterne
     
    Hier findet ihr die restlichen Rezensionen zur "Mark-Heckenburg"-Reihe:
     
     
     
    Vielen Dank an Piper für das kostenfreie Leseexemplar!
     
     
     

    Donnerstag, 31. August 2017

    Rezension: Das Spiel: Rache von Jeff Menapace

    Hallo ihr Lieben!

    Vor längerer Zeit habe ich die "Spiel"-Trilogie von Jeff Menapace begonnen und habe für Euch damals auch schon den ersten Teil rezensiert (Rezension "Das Spiel: Opfer"). Nun habe ich auch endlich die Zeit gefunden, um den zweiten Teil "Das Spiel: Rache" für Euch zu lesen, weshalb es heute eine Rezension zu diesem Horror-Thriller gibt. Eins vorab: Ihr solltet auf jeden Fall die Bücher in der richtigen Reihenfolge lesen, weil der zweite Teil komplett auf den ersten aufbaut!


    Cover: Heyne Hardcore

    Details:

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (14. November 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453677080
  • ISBN-13: 978-3453677081
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Im Herbst 2008 wurde die Lambert-Familie im amerikanischen Hinterland Opfer der Fannelli-Brüder. Von den beiden Verbrechern überwältigt, mussten die Lamberts buchstäblich durch die Hölle gehen. Sie haben überlebt – und zurückgeschlagen. Doch es ist noch nicht vorbei, denn die Fannellis haben Freunde, sehr gute Freunde. Das Spiel geht weiter …
    Copyright Klappentext & Cover: Heyne Hardcore


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover gefällt mir persönlich sehr gut, da die Blutpfütze und die blutbeschmierten Stiefel nichts Gutes verheißen und die neue Bedrohung, die auf die Familie Lambert wartet, zu spüren ist.
     
    Natürlich erwartet den Leser kein literarisches Meisterwerk - das dürfte aber eigentlich auch von Anfang an klar sein. Der Schreibstil von Jeff Menapace ist simpel, schlicht, zum Teil auch etwas vulgär, was allerdings auch zur Geschichte und den perfiden Charakteren passt.
     
    Die Geschichte  setzt kurze Zeit nach den Geschehnissen am Crescent Lake an. Familie Lambert versucht sich von den schrecklichen Ereignissen zu erholen. Sie ist aber sichtlich gezeichnet, weswegen therapeutische Hilfe in Anspruch genommen wird.
    Derweil sitzt Arthur "Arty" Fannelli in Haft und wartet darauf, dass der Strafprozess gegen ihn beginnt. Nach dem grausamen Spiel, das er zusammen mit seinem Bruder James gespielt hat, hat Arty erfahren, dass er und sein Bruder, der am Ende des ersten Teils überwältigt und getötet werden konnte, adoptiert wurden.    Und es scheint Rettung aus der Vergangenheit zu kommen: Monica, die bis dato unbekannte Schwester der Fannellis, die ebenfalls eine Leidenschaft für perfide Spiele hat und auch adoptiert wurde, setzt alles daran, ihren Bruder zu befreien und die richtige Familie zu vereinen. Gemeinsam mit ihrem leiblichen Vater, den sie vor vielen Jahren aufgespürt hat, möchte sie den Mord an ihrem Bruder James, den sie nie persönlich kennengelernt hat, rächen und  macht sich auf die Suche nach den Lamberts, die von dem neuen, bösen Spiel nichts ahnen.
     
    Insgesamt kann der zweite Teil das Spannungslevel des ersten Teils nicht ganz halten, da die Lamberts von der Bedrohung, die sie die ganze Zeit umgibt und heimsucht, erst einmal nichts wissen. Es wird also kein Katz-und-Maus-Spiel wie im ersten Teil gespielt, sondern eher unterschwellig ein Rachefeldzug abgezogen.   Nur der Leser weiß, welche grausamen Dinge Monica und ihr Vater John treiben (was genau vorgeht, will ich an dieser Stelle gar nicht verraten, um nicht irgendwas vorwegzunehmen) und dass irgendwann ein großer Show-Down kommen wird. Die Spannung ist also die ganze Zeit eher unterschwellig zu spüren und man wartet förmlich darauf, dass die Lamberts merken, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
    Spannend fand ich aber vor allem die beiden neuen Charaktere John und Monica, da sie beide eine große Leidenschaft für das perfide Spiel haben und wie die beiden Fannelli-Brüder einfach total skrupellos sind und ihren Spaß am Morden haben. Das wird von Anfang an und die ganze Zeit über total klar. Es wird außerdem klar, dass die beiden eine ernsthafte Bedrohung für die Lamberts sind bzw. zu einer großen Gefahr werden können.
     
    Ich persönlich fand es etwas schade, dass die Lamberts sofort die richtigen Schlüsse ziehen, als ihnen auf den letzten 100 Seiten deutlich wird, dass etwas nicht stimmt. Außerdem fand ich es schade, dass das Finale, das sich auf den letzten 30 Seiten durchaus spannend gestaltet, dann doch so schnell vorbei war.
     
     

    Fazit:

     
    "Das Spiel: Rache" ist eine interessante Fortsetzung, die allerdings spannungstechnisch nicht ganz an den Vorgänger heranreicht. Überzeugen können vor allen Dingen die neuen Charaktere John und Monica, die für die Lamberts zu einer echten Bedrohung werden und zunächst unterschwellig ihren Rachefeldzug abziehen, um den Mord an James Fannelli zu rächen. Dass das Ende dann so schnell abgespult wird, ist schade. Ich bin gespannt, inwiefern der letzte Teil der Trilogie nun überzeugen kann und was für ein Spiel nun gespielt werden könnte.
     
     
    Sterne: 3,5 / 5
     
    Vielen Dank an Heyne für die Bereitstellung eines Leseexemplars!