Samstag, 29. Oktober 2016

Rezension: Splitter von Sebastian Fitzek

Hallo ihr Lieben!

Leider habe ich mein persönliches Ziel, alle bisherigen Fitzek-Thriller bis zum Release von "Das Paket" zu lesen und für Euch zu rezensieren, zeitlich nicht mehr geschafft. Aber macht ja nichts. Heute habe ich für Euch eine Rezension zu "Splitter" und beim nächsten Mal folgt dann noch meine Kritik zu "Das Joshua Profil", bevor ich mich endlich dem neuesten Werk widmen kann.
 
Cover: Knaur
Details:

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Knaur
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426503727
  • ISBN-13: 978-3426503720
  • Preis: 9,99


  • Klappentext:

    was wäre, wenn …
    Was wäre, wenn wir die schlimmsten Ereignisse unseres Lebens für immer aus dem Gedächtnis löschen könnten?
    Und was, wenn etwas dabei schiefginge?
    Copyright Klappentext & Cover: Knaur


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover hatte ich bereits in einem vorherigen Neuzugänge-Post kritisiert. Es ist mir persönlich einfach zu unscheinbar und nichtssagend. Mit dem Splitter-Motiv hätte man gestalterisch einfach mehr machen können, damit es spektakulärer wirkt.
     
    Zur Geschichte: In Splitter geht es um Marc Lucas, einen Streetworker und Juristen, der vor den Scherben seines Lebens steht. Bei einem von ihm verursachten Autounfall sind seine Frau Sandra und sein ungeborener Sohn gestorben. Er selbst hat sich bei dem Unfall einen Splitter im Rücken zugezogen, der möglicherweise zu einer Querschnittslähmung führen konnte und weswegen er auf Anraten seines Schwiegervaters Constantin Medikamente verabreicht bekommt.  Das seelische Leid setzt ihm unerträglich zu und er würde am liebsten alles daran setzen, um das grausame Ereignis für immer zu vergessen.  Durch Zufall entdeckt er in einem Magazin eine Anzeige, die für ein Experiment wirbt, bei dem die Probanden genau solche Erlebnisse durch eine künstliche Amnesie für immer vergessen sollen und ein neues Leben beginnen können. Er entscheidet sich dafür, einige Voruntersuchungen in der besagten Klinik vornehmen zu lassen, möchte allerdings doch nochmal eine Nacht über seine geplante Teilnahme schlafen. Als er nach den Voruntersuchungen nach Hause kommt, wird er mit merkwürdigen Vorkommnissen konfrontiert: Der Schlüssel zu seiner Wohnung passt nicht mehr und als er klingelt, öffnet seine tote Frau Sandra die Tür, erkennt ihn nicht und schickt ihn weg. Auch bei seiner Arbeit  scheint er ein unbeschriebenes Blatt zu sein. Als er die Klinik erneut aufsuchen will, steht er vor einer leeren Baugrube und wird von der mysteriösen Emma, die ebenfalls ein Opfer des Experiments zu sein scheint, gewarnt, sich in Acht zu nehmen. Zunächst ist er unsicher, ob er ihr trauen kann. Später versucht er aber gemeinsam mit ihr und mit seinem Bruder Benny, der zuvor in einer Psychiatrie war und zu dem Marc weniger Kontakt hatte, das Rätsel zu lösen.
     
    Fitzek gelingt es, die Geschichte durchweg spannend zu erzählen und überzeugt mit einem guten Schreibstil und raschen Erzähltempo. Es wird zu keiner Zeit langweilig, denn die merkwürdigen Ereignisse reißen einfach nicht ab und alles wird von Seite zu Seite noch wirrer. Ich habe auch einige Kritiken gelesen, wo Leute meinten, dass es ihnen schon zu wirr ist. Das kann ich persönlich so nicht unterschreiben, denn es war für mich genau richtig so.  Als Leser konnte man sich auch sehr gut in den Protagonisten hineinversetzen, der irgendwann an seiner eigenen Identität zweifelt und nicht mehr zwischen Realität und möglichen Wahnvorstellungen unterscheiden kann. Zuletzt habe ich mich auch immer wieder gefragt, ob Sandra womöglich noch lebt, wer eventuell noch involviert ist, was mit Marc geschehen ist und wie Fitzek das Ganze auflöst. Zum Ende hin wusste ich dann schon, wer wie involviert ist, nur das große "Warum" fehlte. Und hier war ich dann letztendlich auch ein bisschen enttäuscht. Es wird zwar alles stimmig aufgelöst, es ist auch sehr emotional, aber leider wurde die Geschichte durch das Ende auch noch etwas unglaubwürdiger bzw. war es wieder einfach etwas "too-much". An dieser Stelle möchte ich aber natürlich nicht zu viel verraten, denn der ein oder andere möchte sicherlich keine Spoiler haben und sich überraschen lassen. Der Kerngedanke der Geschichte ist ganz schön, aber am Ende habe ich mir nur gedacht: Und deswegen macht man sich so einen riesen Aufwand mit Marc?

    By the way: Was ich noch ganz cool fand, waren die Anspielungen auf seine anderen Werke! So kommt beispielsweise Niclas Haberland ("Casper" aus "Der Seelenbrecher") vor. Außerdem gibt es eine Szene auf dem Polizeirevier, in der alle Polizisten (besonders Kommissar Stoya, den einige Fitzek-Fans sicherlich noch kennen) mit dem "Augensammler"-Fall beschäftigt sind. Besonders bemerkenswert ist, dass Fitzek die Idee zu "Der Augensammler" schon beim Schreiben von "Splitter" im Kopf gehabt haben muss. Clever!
     
     

    Fazit:

    Splitter ist ein unfassbar spannender und nervenaufreibender Thriller, der vor allen Dingen durch einen sympathischen Protagonisten punktet, den man dabei begleitet, die Wahrheit über ein Experiment herauszufinden und zwischen Realität und möglichen Wahnvorstellungen zu unterscheiden. Wegen des guten Schreibstils und dem raschen Erzähltempo verschlingt man förmlich Seite für Seite und kann es kaum erwarten, die Auflösung zu erfahren. Diese kann mich aber leider nicht komplett überzeugen. Auch wenn sie sehr emotional ist und einen schönen Kerngedanken enthält, nimmt sie der Geschichte an Authentizität. Trotzdem ist Splitter ein lesenswerter Thriller, vor allem für Fitzek-Fans.
     
     
    4 / 5 Sterne
     
     
     
     
     
     

    Freitag, 21. Oktober 2016

    Rezension: Amokspiel von Sebstian Fitzek

    Hallo ihr Lieben,

    und weiter geht es mit meinem Fitzek-Marathon. Nächste Woche erscheint schon "Das Paket" und ich hoffe, dass ich es bis dahin noch schaffe, "Splitter" und "Das Joshua Profil" für Euch zu rezensieren. Heute habe ich eine Rezension zu "Amokspiel" für Euch.
    Cover: Knaur

    Details:

  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Knaur
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426637189
  • ISBN-13: 978-3426637180
  • Preis: 9,99




  • Inhalt:

    Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet – zu schwer lastet der Tod ihrer Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie in einen Radiosender gerufen, zu einem brutalen Geiseldrama: Ein Psychopath spielt ein makabres Spiel, bei dem er das Leben der Geiseln in die Hände wahllos angerufener Zuhörer legt. Und er verlangt, dass seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt – doch die ist seit Monaten tot. Ira beginnt mit einer aussichtslosen Verhandlung, bei der ihr Millionen Menschen zuhören …
    Copyright Klappentext & Cover: Knaur


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover finde ich insgesamt nicht spektakulär genug. Man sieht eben nur den dunklen Umriss einer Person, die offenbar einen Raum betreten hat. Es passt zwar irgendwie schon zum Inhalt, aber man hätte definitiv noch mehr daraus machen können.
     
    Die Geschichte ist wieder einmal super spannend und fesselnd geschrieben - wie man es eben von Sebastian Fitzek kennt. Es gelingt ihm, die Spannung die ganze Zeit über zu halten und immer wieder interessante Wendungen einzubauen. Insgesamt muss ich allerdings sagen, dass der Thriller nicht die Tiefe erreicht, die beispielsweise "Die Therapie" hatte. Bei seinem Debüt war man von der Auflösung einfach komplett überrascht und sprachlos - hier hatte ich dieses Gefühl leider nicht. Außerdem war mir die Geschichte zum Ende hin zum Teil auch etwas too-much und ich hatte das Gefühl, dass Fitzek gerne ein bisschen "die internationale Schiene" fahren wollte (SEK-Einsatz, Helikopter, Showdown,etc.).
     
    Sebastian gelingt es allerdings auch hier wieder sehr gut, interessante Charaktere zu erschaffen. Ira Samin, die Protagonistin, ist psychisch labil. Nachdem sich ihre Tochter Sara umgebracht hat, gibt sie sich selbst die Schuld dafür und versucht ihren Schmerz mit Alkohol zu überdecken. Ihre andere Tochter Kitty hat den Kontakt zu ihr abgebrochen. Ira sieht deshalb eigentlich keinen Sinn mehr in ihrem Leben und möchte sich umbringen. Am Tag, als sie ihren Suizid durchziehen will, wird sie allerdings von ihrem Kollegen Götz zu einem Einsatz gerufen, bei dem sie die psychologische Verhandlungsführung übernehmen soll. Ein Mann hat in einem Berliner Radiosender einige Geiseln genommen, die zuvor bei einem Gewinnspiel eine Senderführung gewonnen hatten. Er fordert nur eins: Seine Freundin Leonie, die angeblich einige Monate zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Er glaubt an einen riesen Bluff und  dass seine Freundin doch noch lebt. Das Team stellt schließlich Nachforschungen an und Ira muss gegen das perfide Spiel des Geiselnehmers ankämpfen: Er will "Cash Call" mit den Radiohörern spielen. Allerdings auf seine ganz eigene Weise. Er ruft irgendwo bei einer Person an, die sich unbedingt mit der Parole "Ich höre 101Punkt5 und jetzt lass eine Geisel frei" melden muss. Sagt die Person zuvor "Hallo" oder "Wer ist da?" wird eine Geisel sterben. Gerade diese Passagen sind mir sehr gut im Gedächtnis geblieben, da ich mich jedes Mal dabei ertappt habe, wie ich förmlich die Luft anhalte, sobald jemand an das Telefon geht.  Die psychologische Verhandlungsführung mit dem Täter, der Jan May heißt, erweist sich für Ira als äußerst schwierig, denn er selbst ist Psychologe und kennt jeden ihrer Tricks. Außerdem bekommt Ira vom Polizeidirektor Steuer immer ordentlich Gegenwind, da er sie als psychisches Wrack, das sie ja eigentlich auch ist, abstempelt. Einige der Polizeitricks schlagen schließlich fehl und der Druck auf das Team, besonders auf Ira, erhöht sich nach und nach. Auf ihrer Seite steht eigentlich nur Götz, der sie mit den wichtigsten Infos versorgt und ihr stets beisteht. Besonders schwierig wird die Situation allerdings, als Ira erfährt, dass ihre Tochter Kitty sich in einem Nebenzimmer des Sendestudios befindet. Sie hat bei dem Radiosender eine Stelle bekommen und konnte sich in letzter Sekunde vor der Geiselnahme in der Küche verstecken...
     
    An dieser Stelle möchte ich auf die Handlung gar nicht weiter eingehen. Ob Leonie noch lebt, wie die Geiselnahme ausgeht, möchte ich gar nicht verraten. Ich kann nur so viel verraten: Das Ganze zieht noch größere Kreise, es gibt sogar einen Spitzel bei der Polizei (der für mich absehbar war) und Ira und Jan sind noch auf eine ganz andere Weise miteinander verbunden...
     
     

    Fazit:

    Amokspiel ist ein sehr spannender und nervenaufreibender Thriller von Sebabstian Fitzek. Allerdings erreicht er nicht die Tiefe seines Debüts. Die Charaktere - insbesondere Ira und Jan - haben beide ihr gewisses Etwas und man kann für die Situation beider Figuren irgendwie Verständnis aufbringen. Auch die zahlreichen anderen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet. Besonders spannend sind die Cash-Call-Szenen, in denen man immer bangt, ob  eine Geisel stirbt oder überlebt. Zum Ende hin hat man allerdings das Gefühl, dass Sebastian sich ein wenig von internationalen Werken hat inspirieren lassen, denn das Ganze schlägt eine Richtung ein, die für den ein oder anderen zu actionreich bzw. einfach "too-much" sein könnte. Ein solider Thriller von Fitzek, allerdings nicht so stark wie "Die Therapie" oder die "Augen"-Thriller.

    4 / 5 Sterne

    Website von Sebastian Fitzek
    Amokspiel bei Droemer Knaur

    Rezension zu Abgeschnitten
    Rezension zu Die Therapie 
     
     
     

    Sonntag, 9. Oktober 2016

    Rezension: Die Therapie von Sebastian Fitzek

    Hallo ich Lieben!

    Endlich geht mein kleiner Fitzek-Marathon weiter. Ich hoffe, dass ich mein Vorhaben, alle bisherigen Bestseller von Sebastian Fitzek bis zum Release von "Das Paket" (VÖ: 26.10.) noch zu lesen, schaffen werde. Heute widme ich mich den literarischen Anfängen von Sebastian und habe eine Rezension zu "Die Therapie" für Euch.
    Cover: Droemer Knaur

    Details:

  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Knaur
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426633094
  • ISBN-13: 978-3426633090
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Keine Zeugen, keine Spuren, keine Leiche. Josy, die zwölfjährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Ihr Schicksal bleibt ungeklärt.
    Vier Jahre später: Der trauernde Viktor hat sich in ein abgelegenes Ferienhaus zurückgezogen. Doch eine schöne Unbekannte spürt ihn dort auf. Sie wird von Wahnvorstellungen gequält. Darin erscheint ihr immer wieder ein kleines Mädchen, das ebenso spurlos verschwindet wie einst Josy. Viktor beginnt mit der Therapie, die mehr und mehr zum dramatischen Verhör wird …
    Copyright Klappentext & Cover: Droemer Knaur


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover ist mir persönlich etwas zu schlicht und nichtssagend. Der Hintergrund ist komplett weiß und man sieht nur schemenhaft/leicht verschwommen den Arm eines Menschen. Dies passt wiederum zum Teil aber auch zum Inhalt der Geschichte, denn da bleibt die Wahrheit für den Leser bis zum  Schluss auch undurchsichtig.
     
    Der Schreibstil  von Sebastian Fitzek ist von Anfang an fesselnd. Bereits im Prolog ist es ihm gelungen, mich vollständig in den Bann zu ziehen und ich wollte unbedingt wissen, was mit Josy geschehen ist. Im Prolog geht diese scheinbar in einer Arztpraxis verloren und taucht nicht wieder auf. Sie sollte unbedingt zu diesem Arzt, da sie von einer unerklärlichen Krankheit, die Erbrechen und Nasenbluten auslöst, gequält wird.  Als sie verschwindet, bricht für Dr. Larenz, ihrem Vater, eine Welt zusammen. Im nächsten Kapitel springt die Handlung ins Hier und Jetzt: Viktor Larenz ist in einer psychiatrischen Klinik untergebracht und hat sich von einem traumatischen Ereignis auf der Insel Parkum, wo er die Wahrheit über Josys Verschwinden erfahren haben will, offenbar nicht wieder erholt. Er beginnt schließlich damit, seinem behandelnden Arzt, Dr. Roth, die Geschichte von der Insel zu erzählen und der Leser kommt damit der Wahrheit immer näher...
    Die Spannung bleibt immer auf einem hohen Level und steigt weiter an, da die Geschichte verwirrender und komplexer wird. Beispielsweise taucht auf der Insel plötzlich Anna Spiegel auf, eine schizophrene Autorin, die behauptet, dass die Figuren aus ihren Geschichten real werden. Ihre Figur Charlotte weist dabei unfassbare Ähnlichkeiten mit Josy auf. Viktor weigert sich zunächst, Anna zu therapieren und will sie abwimmeln. Als er allerdings von Charlotte erfährt, setzt er alles daran, mehr zu erfahren und damit der Wahrheit über Josy näher zu kommen. Die Figuren sind insgesamt sehr gut ausgearbeitet. Man kann sich sehr gut in die Lage von Viktor versetzen, der seinen Schmerz in Alkohol ertränkt und sich auf der Insel zurückzieht und damit auch von seiner Frau Isabelle distanziert. Immer wieder werden verschiedene Hinweise gestreut, dass etwas mit Anna Spiegel nicht stimmen könnte und sie womöglich etwas Schlechtes im Schilde führt. Von einem befreundeten Detektiv erfährt er schließlich, dass die Fremde auf der Insel nicht Anna Spiegel sein kann, da eine Anna Spiegel kurz zuvor gestorben ist. Auch von den anderen Inselbewohnern, wie dem Bürgermeister Haberstaedt, wird Viktor immer wieder gewarnt, sich nicht auf sie einzulassen. Ein aufkommender Sturm, der das Verlassen der Insel unmöglich macht, sorgt aber dafür, dass er sich doch auf sie einlässt und seine Neugier stillen muss. Ich finde es gut, dass der Leser nur gelegentlich aus der Insel-Geschichte gezogen wird und man kurz in das "Hier und Jetzt" gelangt. Dadurch bleibt die Spannung erhalten und man stellt sich als Leser ähnliche Fragen, die nun auch Dr. Roth an Viktor Larenz richtet. Die Geschichte, die Larenz seinem Arzt erzählt, wird immer undurchsichtiger und ist von Widersprüchen gespickt. Irgendwann weiß der Leser nicht mehr, was er noch glauben soll. Da immer runtergezählt wird ("Noch X Tage bis zur Wahrheit) fiebert man die ganze Zeit mit und will unbedingt erfahren, wie die Wahrheit lautet.
     
    An dieser Stelle möchte ich natürlich nicht zu viel verraten, denn die Auflösung ist einfach nur genial.  Mit einer solchen Wendung habe ich die ganze Zeit über nicht gerechnet und die Konstruktion der gesamten Handlung erscheint am Ende in einem völlig neuen Licht (!). Außerdem gefällt es mir, dass Sebastian Fitzek psychisch viel tiefere Ebenen anspricht, diese literarisch sehr gut vermittelt, ohne dabei ins Fachchinesisch abzudriften. Wer schließlich hinter Anna Spiegel steckt und was es mit der Insel auf sich hat, möchte ich natürlich nicht verraten.
     

    Fazit:

    Der erste Psychothriller von Sebstian Fitzek ist unfassbar fesselnd, nervenaufreibend, verwirrend und unglaublich gut konstruiert. Die Geschichte wird immer komplexer und die Auflösung ist für den Leser absolut unvorhersehbar. Irgendwann weiß man einfach nicht mehr, was Realität ist und wem man wirklich trauen kann. Die Handlungsstränge und die Charaktere erscheinen am Ende in einem völlig anderen Licht. Psychische Krankheiten wie Schizophrenie oder das Münchhausen-Syndrom werden realitätsnah/glaubwürdig erklärt, ohne dabei auf Fachchinesisch zurückgreifen zu müssen. Meiner Meinung nach ist "Die Therapie" einer der tiefgründigsten und besten Psychothriller von Sebastian Fitzek. Für mich ist es kein Wunder, dass viele weitere Bestseller folgten. Absolute Leseempfehlung!
     
    5+++/ 5 Sterne
     
     
    Rezensionen zu den anderen Werken von Fitzek:
     

    Mittwoch, 5. Oktober 2016

    Rezension: Krähenmutter von Catherine Shepherd

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Krähenmutter" von Catherine Shepherd für Euch. Der Piper-Verlag hat mich mit einem Rezensionsexemplar überrascht, das plötzlich in meinem Briefkasten lag. Die ebook-Version gibt es bereits seit Juli und bestimmt hat der ein oder andere von Euch den Thriller schon gelesen.
    Cover: Piper
     
     
    Details:  
     
  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (4. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492309658
  • ISBN-13: 978-3492309653
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    LKA-Ermittlerin Laura Kern steht vor einem Rätsel. Ein Kind wurde am helllichten Tag aus einem Supermarkt entführt, doch es gibt keine Lösegeldforderung. Auch die Eltern schweigen sich aus – stecken sie womöglich mit den Tätern unter einer Decke? Laura und ihr Partner Max kämpfen sich durch einen Strudel widersprüchlicher Zeugenaussagen, während ihnen das Innenministerium im Nacken sitzt. Doch dann verschwindet der Vater des Kindes. Und dem LKA läuft die Zeit davon ...
    Copyright Klappentext & Cover: Piper Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover finde ich im Großen und Ganzen in Ordnung, auch wenn der Kinderwagen ein häufiges Motiv für Thriller ist, in denen es um Mütter und Kinder geht. Die Krähe hingegen spielt für die Handlung generell allerdings keine entscheidende Rolle und auch den Titel finde ich "nur" okay.
     
    Der Schreibstil der Autorin ist relativ simpel, weshalb sich der Thriller flüssig und schnell lesen lässt. Die Geschichte punktet vor allen Dingen durch die Tatsache, dass das hier beschriebene Szenario relativ realitätsnah ist und sich so in Wirklichkeit auch abspielen könnte. Der erst 6 Monate alte Henri Nussbaum wird mitten am Tag aus der Kosmetik-Abteilung eines Supermarkts entführt, während seine Mutter damit beschäftigt ist, Lippenstifte zu testen. Welchen Zweck soll die Entführung haben? Will man den schwerreichen Vater, Unternehmer Matthias Nussbaum, erpressen? Eine Lösegeldforderung bleibt aus und Ermittlerin Laura Kern ist sich damit sicher, es nicht mit einem normalen Entführungsfall zu tun zu haben. Ab und an folgen auch immer wieder Sequenzen aus der Sicht eines kleinen Jungen, welcher selbst keinen normalen Namen trägt, sondern nur "Baby" genannt wird und bei seiner "Mutter" lebt, die immer wieder neue Babys "aufnimmt", um sich um diese zu kümmern und nach einer gewissen Zeit wieder auszusetzen. Diese Kapitel sorgen zwar immer wieder für etwas Abwechslung zu den weiterlaufenden Ermittlungen, führen allerdings auch dazu, dass der Leser den gesamten Fall leider sehr schnell durchschaut und dadurch letztendlich die Geschichte auch an Spannung verliert bzw. diese sogar nur sehr schwer aufbauen kann. Ich persönlich bevorzuge Thriller, in denen es zum Ende hin spannende Wendungen oder Twists gibt, mit denen man absolut nicht rechnet. Diese bleiben hier allerdings aus. Auch der im Klappentext beschriebene Strudel aus widersprüchlichen Zeugenaussagen ist jetzt nicht so arg und die Ermittler kommen im Endeffekt schon relativ schnell darauf, wer wie involviert ist. Im letzten Drittel der Geschichte gelingt es der Autorin allerdings doch noch für Spannung zu sorgen, als Laura Kern langsam die Spur aufnimmt und sich durch ihre Leichtsinnigkeit selbst in Gefahr bringt. Zuletzt wird auch noch das Motiv der Täterin erläutert und der Leser kann zum Teil sogar etwas Verständnis für ihre Lage und ihr Handeln aufbringen.
     
    Komplett überzeugt haben mich die Charaktere in dieser Geschichte. Laura Kern ist eine spannende Ermittlerin, die für den Bereich der Entführungen und Erpressungen zuständig ist. Sie selbst hat eine sehr traumatische Vergangenheit, denn sie wurde mit 11 Jahren selbst entführt und konnte sich nur durch Zufall befreien und retten. Von diesen schrecklichen Ereignissen und den Narben ist sie noch heute gezeichnet und wird immer wieder von ihnen eingeholt. Generell ist sie sehr in sich gekehrt, zurückhaltend und öffnet sich anderen Menschen gegenüber nur schwer. Zu ihrem Kollegen Max Hartung hat sie ein freundschaftliches Verhältnis. Max wurde von seiner Frau Hannah betrogen, hat diese verlassen, ist Laura kurzzeitig näher gekommen und ist schließlich doch wieder zu seiner Frau zurückgekehrt, die nun schwanger von ihm ist. Einerseits fühlt sich Laura immer noch zu ihm hingezogen und ist genervt davon, dass Max seine Arbeit wegen seiner Frau vernachlässigt. Andererseits hat sie selbst ein Auge auf Taylor Fields, einem anderen Ermittler, geworfen, dem sie sich allerdings nur schwer öffnen kann. Auch die Nebencharaktere konnten mich überzeugen. Die Nussbaums entsprechen zum Teil dem typischen Klischee einer schwerreichen Familie und speziell Matthias Nussbaum verhält sich professionell und eher kühl. Besonders gefallen hat mir auch die Rolle des namenlosen, naiven Jungen, der immer nur "Baby" genannt wird. Er verhält sich einerseits sehr kindlich, träumt davon Schauspieler zu werden, ist andererseits aber auch sehr pfiffig und mutig. Er durchblickt das Handeln seiner "Mutter" natürlich nicht komplett und verhält sich meistens so, wie es von ihm erwartet wird.
     
     

    Fazit:

    Krähenmutter ist ein interessanter Thriller, der sich so auch im realen Leben abspielen könnte und die Geschichte punktet vor allen Dingen durch spannende, vielseitige Charaktere. Auch wenn das Buch grundsätzlich gut geschrieben ist, gelingt es durch die Vorhersehbarkeit des Geschehens nicht, einen wirklichen Spannungsbogen zu erzeugen. Lediglich im letzten Drittel kommt ein bisschen "Thrill"-Gefühl auf, wobei hier leider auch ein großer "Aha"-Effekt oder eine unvorhersehbare Wendung ausbleibt.
     
     
    3 / 5 Sterne
     
    Vielen Dank an Piper für das überraschend zugesendete Leseexemplar.