Freitag, 8. April 2016

Rezension: Schattenschläfer von Paul Finch

Hallo ihr Lieben!
Wie ich in meinen Neuzugängen bereits erwähnt habe, habe ich gerade "Schattenschläfer" von Paul Finch gelesen. Dass es sich hierbei bereits um den 4. Teil einer Buch-Reihe handelt, habe ich nicht bemerkt. Ihr könnt somit auch vollkommen unbeirrt mitten in die Reihe einsteigen. Als nächstes werde ich mich dann dem Erstling "Mädchenjäger" widmen. Aber jetzt kommen wir erst einmal zu meiner Rezension zum Roman "Schattenschläfer", der mich absolut gefesselt hat.
 
Cover: Piper
Details:
 
  • Taschenbuch: 480 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (5. Januar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349230687X
  • ISBN-13: 978-3492306874
  • Originaltitel: Dead Man Walking
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Ein eisiger Winter bricht über den Norden Englands herein, als in der Nähe des Lake District zwei junge Mädchen verschwinden. Alles spricht dafür, dass »Der Fremde« zurückgekehrt ist, ein Killer, an den sich Detective Mark Heckenburg und seine Kollegen nur zu gut erinnern. Zehn Jahre ist es her, dass er das letzte Mal zugeschlagen hat. Aus dem Dunkel, brutal, tödlich. Nun sucht er sich erneut seine Opfer, eines nach dem anderen. Heck macht sich auf die Jagd nach dem Unbekannten, doch schon bald steht er selbst mit dem Rücken zur Wand.
    Copyright: Piper

    Vor 10 Jahren: Die Polizei ist kurz davor einen brutalen Serienmörder in Dartmoor zu fassen. Der Killer, der von allen nur "Der Fremde" genannt wird, wird von Polizistin Gemma Piper angeschossen, kann daraufhin aber im Moor verschwinden. Ist er gestorben, im Moor versunken oder doch entkommen? Die Polizei findet keine Leiche und doch ist sich Gemma Piper sicher, ihm eine tödliche Schussverletzung versetzt zu haben.

    Heute: Detective Sergeant Mark Heckenburg wurde von Superintendent Gemma Piper nach einem riesen Streit ins Lake District versetzt. Hier verschwinden 2 Camperinnen spurlos. Als eine der beiden von "Heck" und seiner Kollegin Mary-Ellen lebend aufgefunden wird, berichtet die Überlebende, dass ein Unbekannter sie im Nebel überrascht hat und ein verrücktes Katz-und-Maus-Spiel mit ihnen gespielt hat. Dabei hat er das Lied "Strangers in the Night" gepfiffen, welches im Fall von vor 10 Jahren eine wichtige Rolle gespielt hat, was aber nie an die Öffentlichkeit geraten ist. Ist "Der Fremde" tatsächlich zurück? Und warum dann so weit vom eigentlichen Ort des Geschehens entfernt? Mark "Heck" Heckenburg informiert Gemma Piper darüber, die der Fall nie wirklich losgelassen hat. Gelingt es ihnen dieses Mal, den Fremden zu stellen? Wer ist sein nächstes Opfer?

    Meine Meinung:

    Die Buchgestaltung finde ich cool, da der Buchschnitt giftgrün ist. Eben wie die Schrift auf dem Cover. Das sieht man einfach nicht ganz so häufig. Das Cover mag ich auch - Der Karabinerhaken und die dahinter liegende Wand passen perfekt, denn die Story spielt schließlich in den Bergen, wo "Der Fremde" sein Unwesen treibt und ein Katz-und-Maus-Spiel im Nebel veranstaltet.  
     
    Der Schreibstil und die szenische Erzählweise des Autors ist ein absoluter Traum, denn es brennt  sich einem immer ein exaktes Bild auf die Netzhaut. Jedes einzelne Szenario läuft wie ein Film vor dem inneren Auge ab. An der ein oder anderen Stelle wirkt die Beschreibung des Lake Districts allerdings wie ein Artikel aus einem Reiseführer, was dem ein oder anderen zu anstrengend sein kann oder unbedeutend erscheint. Das ist aber schlichtweg Geschmackssache und hat mich nicht so sehr gestört.
     
    Paul Finch gelingt durch diese Erzählweise auch ein toller Spannungsbogen, denn immer wieder zieht er das Erzähltempo an, streut neue Spannungsfunken, um kurz danach wieder leicht zurück zu rudern. So wird der Leser immer wieder in Schockstarre versetzt, kann sich kurz darauf wieder entspannen, um dann wieder eine Gänsehaut zu bekommen. Besonders die detailreiche Beschreibung des Katz-und-Maus-Spiels, welches "Der Fremde" mit seinen Opfern im Nebel spielt, hat mich immer wieder in Spannung versetzt und den Atem anhalten lassen. das hatte ich beim Lesen bisher eher selten. Ich habe mich immer häufiger dabei ertappt, dass ich mit dem vermeintlich nächsten Opfer total mitfiebere und hoffe, dass er / sie irgendwie doch überlebt. Leider vergeblich. Wie in einem Horrorfilm, agiert der Serienkiller immer brutaler und die Morde werden auch immer heftiger geschildert. Für Horrorthriller-Fans nichts Neues, für Zartbeseitete eine Zumutung. Ich hingegen habe mich immer unterhalten gefühlt und hatte immer einen kleinen Horrorfilm vor Augen, was definitiv für den guten, flüssigen Schreibstil und die tolle Erzählweise des Autors spricht.
     
    Eine großartige Entwicklung der Charaktere  bleibt aus. Dies ist auch kein großes Wunder, denn die Geschichte spielt schließlich höchstens an 2 Tagen, wo man eben nicht alle Eigenarten eines Charakters näher beleuchten kann. Allerdings sorgt der Autor schon dafür, dass man eine gewisse Vielfalt an Charakteren  geboten bekommt, wie man es auch in einem englischen Bergdörfchen erwarten würde. Da wäre zum Beispiel der griesgrämige Mister Ramsdale, ein erfolgloser Schriftsteller und Einzelgänger, der zurückgezogen in seinem Haus lebt und die Einsamkeit liebt. Dann gibt es noch Bessie, ein schüchternes, pflichtbewusstes, ehrliches Mädchen, welches alleine in einem Haus in den Bergen lebt und heimlich ein Auge auf "Heck" geworfen hat, aber niemals den Mut besitzen würde, dieses offen zu sagen. Und Hazel - eine fürsorgliche Barbesitzerin, die gemeinsam mit ihrer Nichte Lucy die Bewohner des Lake Districts bewirtschaftet. Zudem führt sie eine Art Beziehung zu Heck, die sich im Laufe der Geschichte intensiviert. Dennoch scheinen beide nicht so ganz zu wissen, in welche Richtung sich dies denn tatsächlich entwickeln soll. Daneben gibt es noch zahlreiche andere Dorfbewohner mit unterschiedlichen Eigenarten. Superintendent Gemma Piper ist eine karriereorientierte Frau, die sich sofort ins Lake District begibt, als sie von Heck über den neuesten Fall und die scheinbaren Zusammenhänge zum Fall von vor 10 Jahren in Kenntnis gesetzt wird. Sie hat der Fall und die Tatsache, dass sie den Täter vor 10 Jahren womöglich nicht erwischt hat, nie losgelassen, auch wenn sie dies nicht sofort zugeben möchte. Obwohl sie einen Zusammenhang zunächst anzweifelt, ist ihre Neugier sofort geweckt. Ihre Beziehung zu Heck ist zuvor gescheitert und sie hat ihn nach ein paar Vorkommnissen ins Lake District versetzen lassen. Mark "Heck" Heckenburg hat sich mit seinem neuen Leben im Lake District halbwegs arrangiert, obwohl er immer noch sauer auf Gemma ist. Er ist ein risikofreudiger Polizist, der sich immer auf seine Instinkte verlassen kann und auch gerne auf eigene Faust handelt. Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass die alte Magie zwischen ihm und Gemma zum Teil offenbar doch noch vorhanden ist. Seine Kollegin Mary-Ellen O'Rourke hat nur kurze Zeit später im Lake District angefangen und hat sich freiwillig dorthin versetzen lassen. Heck und sie haben gutes, kollegiales Verhältnis zueinander. Der wichtigste Charakter: Der Fremde (?). Der Fremde ist ein kaltblütiger Serienkiller, der seine Opfer immer brutaler zurichtet. Dabei liebt er es, ein Katz-und-Maus-Spiel mit seinen Opfern zu spielen, das Lied "Strangers in the night" zu pfeifen und sie zu verfolgen. Er ist scheinbar immer und überall und den Ermittlern immer einen Schritt voraus. Mehr Details möchte ich an dieser Stelle nicht geben, um nicht zu viel zu verraten. Insgesamt hat mir die Personenkonstellation und Charakterzeichnung ziemlich gut gefallen, da man sehr unterschiedliche Charaktere gewählt hat und es auch ziemlich interessant war, zu sehen, wie Gemma und Hazel um Heck buhlen.
     
    Der Verlauf der Geschichte war durchweg spannend. Auf  kaltblütige Mordszenen folgen nervenaufreibende Verfolgungsjagden durch die Berge und schließlich geht das Rätselraten, wer denn nun hinter dem Fremden steckt und wie man ihn am besten überwältigt, weiter. Der Twist am Ende war ganz nett, hat mich allerdings wenig überrascht, da ich es mir einfach die ganze Zeit so gedacht habe. Lediglich das Motiv war für mich bis zum Ende unklar - erscheint mir mit der finalen Auflösung aber sehr plausibel. Oh man, die Person ist crazy! Dass ich mit meiner Vermutung richtig gelegen habe, finde ich keineswegs schlimm und hat auch die Spannung keinesfalls abebben lassen, denn nach der Auflösung folgt eine weitere Verfolgungsjagd bzw. Flucht. Kommt ganz drauf an, aus welchem Blickwinkel man das betrachten möchte.
     

    Fazit

    Wer auf einen Thriller mit ganz viel Atmosphäre, Spannung und Nervenkitzel steht, liegt mit "Schattenschläfer" genau richtig. Teilweise kommt man sich vor wie in einem nervenaufreibenden Horrorfilm, bei dem man mit den nächsten Opfern mitfiebert und hofft, dass sie das Katz-und-Maus-Spiel des Killers doch irgendwie überleben. Lediglich die teils sehr langen Beschreibungen zum Lake District sind störend und wirken wie ein Reiseführer. Der Roman punktet allerdings durch vielseitige Charaktere, die sehr detailreich und liebevoll gestaltet worden sind, deren Entwicklung wegen der kurzen Erzählzeit verständlicherweise allerdings ausbleibt. Wer auf brutale Morde und spannende Verfolgungen durch die Berge steht, sollte keinen Moment überlegen und sofort zugreifen. Mich konnte Paul Finch mit dieser Geschichte auf jeden Fall fesseln. Auch wenn sich meine Vermutung bezüglich der Auflösung bewahrheitet hat, hat mich dies keinesfalls enttäuscht, denn das Motiv und was daraufhin folgt, ist noch viel spannender!
     
    4.5 / 5 Sterne

    Ihr seid neugierig geworden und habt nun Lust bekommen, das Buch zu lesen? Informiert Euch bei Piper.

    Wie hat Euch der Roman gefallen? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir Eure Eindrücke schildern würdet, falls ihr den Roman gelesen habt!

    Kommentare:

    1. Hallo Peter,

      eine wirklich tolle Rezension! Ich habe bisher noch keinen einzigen Thriller von Paul Finch gelesen. Der Autor war für mich einfach nie present. Aber ich denke, ich werde das jetzt mal nachholen, denn deine Kritik hat mich wirkklich neugierig gemacht.

      Liebe Grüße,

      deine Dagma

      AntwortenLöschen
      Antworten
      1. Hallo liebe Dagma!

        Vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar zu meiner Rezension. Das freut mich.

        Ich habe zuvor auch noch nie etwas von Paul Finch gehört, aber seine Schreibe ist wirklich überzeugend. Demnächst kommt dann ja auch noch eine Rezension zu "Mädchenfänger". Vielleicht ist das dann auch was für Dich. Würde mich freuen, wenn Du regelmäßig hier vorbeischaust!

        Liebe Grüße an Dich zurück!
        - Peter

        Löschen
    2. Hallöchen!

      Ich habe gerade deine Rezension auf Facebook entdeckt und dachte mir, ich lasse dir mal einen Kommentar da, wenn ich schon so auf deinem Blog bin.

      Deine Rezension finde ich absolut gelungen und ich finde es toll, dass du das so ausführlich machst. In der Form habe ich das auf anderen Blogs nicht immer so gesehen. So kann man einen echt tollen Eindruck vom Buch gewinnen und kann entscheiden, ob es etwas für einen ist oder nicht. Mich hast du auf jeden Fall neugierig gemacht. Vielleicht werde ich Paul Finch mal eine Chance geben und die Geschichte um Mark Heckenburg verfolgen ;)

      Viele liebe Grüße an Dich & viel Spaß beim Bloggen weiterhin!

      Marie Seiler

      AntwortenLöschen
      Antworten
      1. Hallo Marie! :)

        Dankeschön für dieses tolle Kompliment! Ich denke, Paul Finch wird dich nicht enttäuschen... In Zukunft wirst du auf jeden Fall weitere Rezension zu den Büchern dieses Autors auf meinem Blog finden! Ich würde mich freuen, wenn Du öfter vorbeischauen würdest.

        LG
        - Peter

        Löschen